Ärzte Zeitung, 16.03.2011

Pragmatische Wege gegen den Ärztemangel

In Sachsen-Anhalt steht am kommenden Sonntag eine Landtagswahl an. Der amtierende Gesundheitsminister Norbert Bischoff (SPD) könnte weiter Minister bleiben.

Von Petra Zieler

Pragmatische Wege gegen den Ärztemangel

Bleibt Gesundheitsminister Norbert Bischoff in Sachsen-Anhalt weiter im Amt?

© dpa

MAGDEBURG. Geht es nach den aktuellen Umfrageergebnissen, wird die große Koalition in Sachsen-Anhalt ihre Arbeit nach den Landtagswahlen am 20. März fortsetzen können - obwohl sich anbahnt, dass sich die mitregierende SPD hinter CDU und Linken mit dem dritten Platz zufriedengeben muss.

Aller Voraussicht nach wird dann der alte Gesundheitsminister Norbert Bischoff (SPD) auch der Neue sein. Obwohl erst gut ein Jahr im Amt, hat Bischoff schnell den Spagat zwischen seinen Aufgaben als Gesundheits-, Sozial-, Sport- und Verbraucherschutzminister zu meistern gewusst. Das erkennt selbst die Opposition an.

Nachdrücklich fordert er mehr Mitsprache der Länder in Berlin. "Es kann nicht sein, dass wir bei der ambulanten Versorgung überhaupt nicht gehört werden. Hier geht es um Landesinteressen, die auch regional entschieden werden müssen."

Zudem bleibe das Versorgungsgesetz hinter den Vereinbarungen der Gesundheitsministerkonferenz zurück. Bischoff will die starren Grenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung überwinden und weist auf Kliniken hin, die auf dem Land fachärztliche Dienste übernehmen könnten.

Andererseits ist Bischoff froh darüber, dass Landesprojekte wie die Familienhebammen oder vernetzte Filialpraxen im Versorgungsgesetz ihren Niederschlag finden sollen. Das Modellprojekt zum Aufbau ambulanter, vernetzter Versorgungsstrukturen haben Land, AOK und KV gemeinsam geplant und initiiert.

 Bischoff: "Die KV ist Betreiber der Praxen, für Ausstattung, Vernetzung, personelle Besetzung zuständig und entlastet die Ärzte von bürokratischen und finanziellen Zwängen." Im Sommer 2010 wurde die erste Praxis eröffnet, noch im März wird die dritte in Kalbe/Milde eingeweiht. Bischoff: "Das sind facharztübergreifende Praxen. Konkret: An einem Standort lösen sich unterschiedliche Fachärzte ab, sodass Bewohnern lange Wege zu Spezialisten erspart bleiben."

Gemeinsam mit AOK und KV wurde 2010 auch das Stipendienprogramm für angehende Mediziner gestartet, die sich nach ihrer Facharztausbildung in Sachsen-Anhalt niederlassen wollen. Bislang wurden 14 Stipendien vergeben.

40 weitere Studierende haben sich beworben, darunter vier aus Universitäten anderer Bundesländer. "Das allein wird aber nicht reichen, um dem Ärztemangel in ausreichendem Umfang entgegenzuwirken. Deshalb möchte ich den Numerus clausus im Hochschulmedizingesetz des Landes auflösen."

Mindestens zehn bis 20 Prozent der Studienplätze sollten für Frauen und Männer reserviert werden, die zum Beispiel durch Praktika bewiesen haben, dass sie für den Medizinberuf bestens geeignet sind.

Wird Bischoff noch einmal Minister, will er sich besonders der frühkindlichen Bildung annehmen. "Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass in den ersten acht Jahren die Grundlagen für das Leben gelegt werden. Also müssen wir Kinder dieses Alters besonders fördern, damit sie mit Schwächen besser umgehen können."

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