Ärzte Zeitung, 10.05.2011

Sicherheit für Diabetiker beim Training im Fitnessstudio

Die Arbeitsgemeinschaft "Diabetes und Sport" hat mit dem TÜV Rheinland Zertifikate für Sportstudios entwickelt, in denen Diabetiker sicher trainieren können.

Sicherheit für Diabetiker beim Training im Fitnessstudio

Training auch für Diabetiker: Speziell geschulte Trainer können im Notfall den Diabetes-Patienten helfen.

© Robert Kneschke / fotolia.com

KÖLN (at/acg). Bei Hans Lauber war es ganz knapp. Sein ungesunder Lebensstil und der dauernde Stress in seinem Job als Marketing-Direktor bei Pro7 - der langjährige Typ 2 Diabetiker stand kurz davor, sich täglich Insulin spritzen zu müssen.

Sein Arzt stellte ihn vor die Alternative: Entweder müsse er täglich Medikamente nehmen, um seine Krankheit in den Griff zu bekommen, oder er fange an, Sport zu treiben. Die Entscheidung fiel Lauber leicht: "Spritzen kamen für mich nicht in Frage", sagt der 62-Jährige.

Er entschied sich für den Sport. Seitdem ist er mehrere Marathon gelaufen, hat 15 Kilo abgenommen und schreibt Bücher zum gesunden Leben mit Diabetes.

Seine Botschaft: Auch Diabetiker können und sollen Sport treiben und verbessern damit ihren gesundheitlichen Zustand.

Deswegen setzt er sich für ein Projekt ein, das die Arbeitsgemeinschaft "Diabetes und Sport" der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), die Organisation diabetesDE und der TÜV Rheinland gemeinsam auf die Beine gestellt haben: ein vom TÜV zertifiziertes Fitnessstudio, in dem Diabetiker unter medizinischer Anleitung und Aufsicht trainieren können.

Als erster deutscher Anbieter hat das Kölner Fitnessstudio "Just Fit" vom TÜV Rheinland das Siegel "Fitness-Training für Diabetiker" erhalten. Hier arbeiten speziell geschulte Trainer, die wissen, wie sie sich in Notfällen verhalten müssen, und die im Ernstfall auch medizinische Erstversorgung leisten.

"Menschen mit Diabetes benötigen Sicherheit beim Sport", sagt Dr. Meinolf Behrens, Diabetologe und Mitglied der AG Diabetes und Sport. "Dies gilt umso mehr für Sporteinsteiger, die die Wirkung von körperlicher Aktivität auf ihre Krankheit oft nur schwer einschätzen können."

Vor Trainingsbeginn müssen sich Diabetiker bei ihrem behandelnden Arzt einer Voruntersuchung unterziehen und dem Studio einen Nachweis der Sporttauglichkeit vorlegen. Die Trainingsintensität und das Programm erarbeiten die Trainer in Abstimmung mit den Medizinern. "Dabei setzen wir stark auf die Kooperation mit den niedergelassenen Hausärzten", sagt Behrens.

Die Sonderbetreuung kostet nicht extra. "Diabetiker bezahlen den gleichen Beitrag wie Nicht-Diabetiker", sagt Frank Böhme, Gründer der Studios und teilhabender Gesellschafter der Fitness-Kette. Er will alle 14 Studios, die er in Nordrhein-Westfalen betreibt, nach den Vorgaben des TÜV Rheinland diabetikergerecht aufrüsten.

Böhme hofft auf eine Signalwirkung. "Wir wünschen uns, dass sich dieser Standard in der Branche durchsetzt."

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Europäische Impfwoche - Same procedure as last year!

Heute starten die Europäischen Impfwochen. Am Beispiel Masern werden beträchtliche Defizite in Deutschland deutlich - und dass es seit Jahren kaum Fortschritte gibt. mehr »

Blick ins Gehirn offenbart beste Therapie-Option

Einige Depressive sprechen besser auf Verhaltenstherapien an, andere auf Antidepressiva. Ein Blick ins Hirn per fMRT zeigt, welcher Ansatz den meisten Erfolg verspricht. mehr »

Milliarden für die Versicherten – Kassen bleiben skeptisch

Erster Aufschlag des neuen Gesundheitsministers: Jens Spahn will gesetzlich Versicherte per Gesetz entlasten. Aus Richtung Kassen und Opposition weht scharfer Gegenwind. mehr »