Ärzte Zeitung online, 14.04.2011

Depressionen werden Volkskrankheit Nummer Eins

Psychische Erkrankungen belasten die Seele - aber auch die Volkswirtschaft. Es wird Zeit zu handeln, moniert die Allianz.

Depressionen werden Volkskrankheit Nummer Eins

Depressionen werden immer noch stigmatisiert, so Experten. Viele Betroffene trauen sich damit nicht zum Arzt.

© Rolf Krüger fodes.de / fotolia.com

BERLIN (sun). Vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an Depressionen. Tendenz steigend: Laut einer Prognose der Weltgesundheitsorganisation werden im Jahr 2030 die Depression in den Industrienationen die häufigste Krankheit sein.

Einem aktuellen Report der Allianz zufolge verursachen Depressionen bereits jetzt jährlich einen volkswirtschaftlichen Schaden in Deutschland von 22 Milliarden Euro.

"Psychische Belastungen, Burnout oder Depressionen werden damit zu einem Kostenfaktor, der nicht einfach ignoriert werden kann", sagte Christian Molt, Mitglied des Vorstandes der Allianz Privaten Krankenversicherungs-AG. Allein zwischen 2002 und 2008 sind die direkten Kosten Krankheitskosten um ein Drittel auf 5,2 Milliarden Euro gestiegen.

Depressive Arbeitnehmer seien nicht so produktiv wie ihre gesunden Kollegen, so Molt. 9,3 Milliarden Euro Schaden entstünden dadurch, dass erkrankte Menschen weiterhin zur Arbeit gingen, statt sich behandeln zu lassen.

Experten begründen dies damit, dass die Erkrankung nach wie vor in der Gesellschaft stigmatisiert sei und sich daher viele Betroffenen nicht trauten, sich einem Arzt anzuvertrauen.

Nach Ansicht der Allianz hat dieses Verhalten der Betroffenen jedoch Folgen: Dieser sogenannte Präsentismus stelle den "mit Abstand größten volkswirtschaftlichen Schaden dar", so Molt. Depressionen sollten aber als das verstanden werden, was sie ist, "nämlich eine ernst zu nehmende Krankheit".

Unterdessen will auch die neue Initiative Dialogforum Depression darauf aufmerksam machen, dass Depressionen keine Nischenerkrankungen sind, sondern alle Alters- und Gesellschaftsbereiche treffen können.

Gründungsmitglieder sind das Max-Planck-Institut in Leipzig, der Berufsverband Deutscher Nervenärzte, die gesetzliche Krankenkasse DAK, das Pharmaunternehmen Lilly sowie die Deutsche Gesellschaft für bürgerorientiertes Versorgungsmanagement.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Jeder dritte Brustkrebs im MRT übersehen

MRT-Bilder helfen, Brustkrebs früh aufzuspüren – doch in vielen Fällen gelingt das nicht. Eine niederländische Studie ergab: Jedes dritte Karzinom ist im MRT übersehen worden. mehr »

Neun Millionen Klinik-Infektionen jährlich

15:41Infektionen in Krankenhäusern und Pflegeheimen sind in Europa ein großes Problem. Jährlich infizieren sich dort rund neun Millionen Bürger, berichtet die EU-Seuchenbehörde. Die Gründe: Übermäßiger Einsatz von Antibiotika und Mängel bei der Infektionskontrolle. mehr »

Bangen und Hoffen bei Auslands-Briten

Das Ringen um einen Brexit-Vertrag geht auf die Zielgerade. Doch für EU-Bürger auf der Insel und Auslands-Briten ist es eine Zeit des Wartens. Das macht Großbritannien für qualifizierte Fachkräfte nicht attraktiver, meine unser Blogger Arndt Striegler. mehr »