Ärzte Zeitung, 18.04.2011

Kommentar

Btm-Rezepte: Staatliches Misstrauen

Von Helmut Laschet

Wie tief das Misstrauen des Staates in das Verantwortungsbewusstsein seiner Bürger sitzt, dafür hat der Bundesrat am vergangenen Freitag ein Beispiel geliefert: Entgegen den Empfehlungen von Fachpolitikern hat er lediglich die patientenunabhängige Bevorratung von Betäubungsmitteln zur Schmerztherapie in Hospizen erlaubt - und dabei außer Acht gelassen, dass nur eine Minderheit schwer schmerzkranker Patienten von dieser Lockerung der Btm-Verschreibungsverordnung profitiert.

Es ist ein Unding: Ärzte und Pflegekräfte wissen genau, mit welchen Möglichkeiten der Palliativmedizin schwer kranken Menschen das Leben mit ihrem Leiden erleichtert werden kann. Und diese Optionen sollten genutzt werden können.

Denn die meisten dieser Menschen wollen nicht in der kalten Atmosphäre eines Krankenhauses sterben, sondern in der Nähe ihrer Angehörigen. Doch für Pflegeheime, aber auch für die ambulante Versorgung zu Hause hat der Verordnungsgeber im Umgang mit Betäubungsmitteln Hürden errichtet, die von Misstrauen in das Verantwortungsbewusstsein von Ärzten, Pflegekräften, ja zuletzt sogar der betroffenen Patienten und deren Angehörigen zeugen.

Lesen Sie dazu auch:
Bundesrat verabschiedet Btm-Novelle

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Jeder dritte Brustkrebs im MRT übersehen

MRT-Bilder helfen, Brustkrebs früh aufzuspüren – doch in vielen Fällen gelingt das nicht. Eine niederländische Studie ergab: Jedes dritte Karzinom ist im MRT übersehen worden. mehr »

Neun Millionen Klinik-Infektionen jährlich

15:41Infektionen in Kliniken und Pflegeheimen sind in Europa ein großes Problem. Jährlich infizieren sich dort rund neun Millionen Bürger, berichtet die EU-Seuchenbehörde. Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend. mehr »

Bangen und Hoffen bei Auslands-Briten

Das Ringen um einen Brexit-Vertrag geht auf die Zielgerade. Doch für EU-Bürger auf der Insel und Auslands-Briten ist es eine Zeit des Wartens. Das macht Großbritannien für qualifizierte Fachkräfte nicht attraktiver, meine unser Blogger Arndt Striegler. mehr »