Ärzte Zeitung, 17.05.2011

Bewertung der Qualität von Kliniken wird immer besser

Mittlerweile 132 deutsche Kliniken beteiligen sich an der Initiative Qualitätsmanagement. Unter anderem nehmen speziell geschulte Chefärzte die entsprechenden Kliniken in Augenschein. Die Daten sind im Internet abrufbar.

Von Angela Mißlbeck

Bewertung der Qualität von Kliniken wird immer besser

Für das Qualitätsmanagement werden Behandlungsdaten ausgewertet.

© nyul / fotolia.com

BERLIN. Die Initiative Qualitätsmanagement (IQM) liefert inzwischen statistisch relevante Behandlungsdaten. Diese Auffassung vertritt IQM-Vorstandspräsident Francesco de Meo.

111 deutsche Kliniken mit 2,16 Millionen stationären Behandlungsfällen sind in dem System für 2010 erfasst. 2011 wirken bereits 132 Kliniken mit. 2008 lagen erst Daten von 1,36 Millionen stationären Patienten aus 84 Kliniken vor. Alle IQM-Krankenhäuser stellen ihre aktuellen Daten seit wenigen Tagen im Internet zur Verfügung.

Patientenverfügungen sind Einflussgröße auf die Kliniksterblichkeit

Erwartungsgemäß liegen die Kliniken, die an dem freiwilligen Verfahren teilnehmen, bei der Krankenhaussterblichkeit in vielen Bereichen unter dem erwarteten Bundesdurchschnitt, für den IQM in der Regel Daten des statistischen Bundesamtes heranzieht. So ist die Krankenhaussterblichkeit bei Herzinsuffizienz in den IQM-Kliniken von 9,7 Prozent im Jahr 2007 auf 7,7 Prozent im vergangenen Jahr gesunken, während IQM bundesdurchschnittlich 9,4 Prozent erwartet hat.

Ähnliche, wenngleich selten so deutliche Entwicklungen, zeigten sich für die Behandlung von Patienten mit Herzinfarkt, Hirninfarkt, Lungenentzündung und Schenkelhalsfraktur. Kaum Verbesserungen gab es dagegen bei der Schlaganfallbehandlung, wo die IQM-Kliniken auf dem Bundesniveau liegen.

Mögliche Erklärungen dafür lieferte Professor Ulrich Frei, ärztlicher Direktor der Charité. In Fallkonferenzen zur Analyse von Auffälligkeiten bei IQM-Daten hat die Charité festgestellt, dass immer häufiger Patientenverfügungen die Kliniksterblichkeit beeinflussen. Zudem steigere die relativ aggressive Lysetherapie bei Schlaganfall die Blutungen.

Basis sind Routinedaten der Klinik

Neu erfasst wurden für 2010 unter anderen die Daten für COPD. Die Zahl der ausgewerteten Krankheitsbilder ist von 30 auf 48 gestiegen. Dabei kamen 183 Qualitätskennzahlen zum Einsatz. IQM beansprucht für sich, dass das "der umfassendste Indikatorensatz zur Messung der medizinischen Ergebnisqualität" sei. Er sei international anerkannt, so der medizinische Geschäftsführer der Helios Kliniken Professor Ralf Kuhlen.

In den Akutspitälern der Schweiz und Österreichs kommt er flächendeckend zum Einsatz. Den Qualitätskennziffern liegen Routinedaten zugrunde, die zur Abrechnung in den Kliniken ohnehin vorliegen. "Routinedaten sind manipulationssicher und werden mehrfach überprüft. Deshalb sind sie geeignete Daten", so de Meo.

Außer der bürokratiearmen Verwendung von Routinedaten zeichnet ein Peer-Review-System das IQM-Verfahren aus. Das Krankenhaus bekommt dabei Besuch von drei Peers. Das sind speziell geschulte Chefärzte aus anderen IQM-Kliniken, die nicht unmittelbar konkurrieren.

Sie analysieren gemeinsam mit dem Chefarzt vor Ort Abläufe und empfehlen Maßnahmen zur Beseitigung von Schwachstellen, die auch mit der Geschäftsführung besprochen werden. Die Bundesärztekammer hat ein Curriculum für Peers entwickelt (wir berichteten). IQM-Peer-Reviews fanden 2010 erstmalig in bislang 21 Kliniken statt. In diesem Jahr sollen weitere 44 Reviews vorgenommen werden.

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