Ihre Meinung ist gefragt: Machen Sie bei unserer Online-Umfrage mit!

Ärzte Zeitung online, 15.06.2011

Behandlung beim Zahnarzt wird teurer

Zahnarzt-Rechnungen steigen nach Einschätzung der Krankenkassen möglicherweise drastisch. Kassenpatienten könnten vor allem für Kunststofffüllungen, Kronen und Brücken weit tiefer in die Tasche greifen müssen. Die Zahnärzte wiegeln ab: Alles Panikmache.

Behandlung beim Zahnarzt wird teurer

Die Zahnärzte verdienen künftig mehr. Daher müssen die Patienten für eine Behandlung tiefer in die Tasche greifen.

© Felix Jason / imago

BERLIN (ths/dpa). Wer zum Zahnarzt geht, muss künftig möglicherweise wesentlich mehr für die Behandlung bezahlen. Davor warnten die Verbände der privaten und der gesetzlichen Kassen in Stellungnahmen zu einem Referentenentwurf der Regierung für eine neue Gebührenordnung.

"Das Bundesgesundheitsministerium geht von der Steigerung des Honorarvolumens in Höhe von circa sechs Prozent aus. Realistisch erscheint dagegen die Annahme eines Anstiegs um mindestens 14 Prozent", schreibt der Verband der privaten Krankenversicherung in einer der dpa vorliegenden Stellungnahme. Die "Ärzte Zeitung" hatte darüber bereits Anfang des Monats ausführlich berichtet.

Erste Reform seit 23 Jahren

Die "Welt" hatte am Dienstag zuerst darüber berichtet. Die privaten Haushalte und dabei die gesetzlich Versicherten seien hauptsächlich betroffen, so der Verband der gesetzlichen Kassen in seiner der dpa vorliegenden Stellungnahme.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass Deutschlands rund 66.000 Zahnärzte rund sechs Prozent mehr verdienen. Es ist die erste Reform der Gebührenordnung (GOZ) nach 23 Jahren.

Die GOZ regelt die Bezahlung der Zahnärzte durch Privatpatienten - aber auch durch Kassenpatienten bei jenen Behandlungen, die über Standardleistungen hinausgehen.

Die Ärzte haben bei der Berechnung der Gebührensätze einen Spielraum. Während die Kassenverbände davon ausgehen, dass die Zahnärzte diesen stark ausschöpfen, nimmt die Regierung ein zurückhaltenderes Abrechnungsverhalten für die Zukunft an.

"Die PKV schürt Ängste"

Die Zahnärzte sehen eine Panikmache vonseiten der Kassen. Der Vorstandsvorsitzende der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Jürgen Fedderwitz, sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Die PKV versucht wiederholt, mit falschen Zahlen Ängste zu schnüren und die längst überfällige Novellierung der privaten Gebührenordnung zu torpedieren."

Er betonte, weder bei der Qualität noch bei den Kosten der zahnärztlichen Behandlung müssten die Patienten eine Verschlechterung befürchten.

Eine konkrete Zahl nannte der Präsident der Bundeszahnärztekammer, Dr. Peter Engel, gegenüber der "Süddeutschen Zeitung". Nach seiner Einschätzung muss jeder Patient durch die Reform durchschnittlich 2,05 Euro pro Jahr mehr bezahlen.

20 Posten neu aufgenommen

Die GOZ-Novellierung war seit Langem vorbereitet worden. Aufgenommen wurden rund 20 Posten für Behandlungen und Diagnoseverfahren, die es früher noch gar nicht gab.

In einigen Fällen sollen auch Einzelposten höher bezahlt werden. Die neuen Bezahlregeln müssen vom Bundesrat gebilligt werden und sollen ab Anfang kommenden Jahres gelten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Es kommt darauf an, wo das Fett sitzt

Adipositas macht krank – diese Aussage ist Tübinger Diabetes-Forschern zu einfach. Ihren Studien zufolge könnten bestimmte Parameter genauere Hinweise auf das Erkrankungsrisiko liefern. mehr »

Mobiles Impfprojekt für Schüler am Start

Bundesgesundheitsministerium und Charité nehmen gravierende Impflücken von Berliner Schülern ins Visier: Ärzteteams sollen im Präventionsbus auf Schulhöfen der Hauptstadt fürs Impfen trommeln. mehr »

NHS-Patienten - ab in die Op-Warteschlange

Versprechen – gebrochen: Die Zahl der Patienten in Großbritannien, die auf eine Operation warten, steigt. Die Regierung hatte angekündigt, die Fristen zu verkürzen – es fehlt an Personal. mehr »