Ärzte Zeitung, 06.07.2011

Kommentar

Widersprüche ohne Grenzen

Von Christoph Fuhr

Das ist kaum zu glauben: Da überfällt ein US-Bürger, der es vor Schmerzen kaum noch aushält, eine Bank. Und das nur, damit er in den Knast kommt und dort medizinisch kostenlos versorgt wird.

Und ein anderer Mann, der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Ron Paul, bekommt Applaus, weil er das Recht auf Gesundheitsversorgung für alle Amerikaner grundsätzlich bestreitet.

Danke, Deutschland, dass bei uns alles viel besser ist, könnte man meinen, Aber ist diese Einschätzung tatsächlich begründet?

Ein Beispiel von vielen: Die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV). Der Rechtsanspruch besteht seit April 2007. Aktuelle Zahlen deuten darauf hin, dass die Versorgung - insbesondere auf dem Weg der Kostenerstattung - immer noch von extremen Zufällen abhängt.

Wer Ärzte hat, die auf den Rechtsanspruch aufmerksam machen, wer auf kompetente Angehörige bauen kann, die bereit sind, im Zweifel das Recht zu erstreiten, hat gute Chancen. Schlechte Karten haben Menschen, die im sozialen Abseits stehen. Keine Lobby, keine SAPV, so einfach ist das.

Versorgungs-Alptraum USA? Wir haben allen Grund, erst einmal vor unserer eigenen Haustüre zu kehren.

Lesen Sie dazu auch:
Banküberfall für einen Dollar - um vom Gefängnisarzt versorgt zu werden

[07.07.2011, 11:06:35]
Thomas Sitte 
Punktlandung
Dieser Kommentar trifft den Nagel auf den Kopf. Er sollte sprachlos machen und es ist nichts hinzuzufügen, außer, dass wir als verantwortungsbewusste Ärzte verpflichtet sein sollten, aufzuschreien!
Thomas Sitte zum Beitrag »

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