Ärzte Zeitung online, 25.07.2011

Von der "Merkelschen Leidenschaft"

BERLIN (sun). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte so kurz vor ihrem Urlaub gute Nachrichten im Gepäck: "Deutschland geht es besser als je zuvor", sagte sie am Freitag in der Bundespressekonferenz in Berlin. Ihre Zwischenbilanz zur Halbzeit der schwarz-gelben Koalition könnte besser nicht sein - gute Laune wollte aber dennoch nicht so recht aufkommen.

Von der "Merkelschen Leidenschaft"

Merkel bei der Regierungspressekonferenz: "Jetzt arbeiten wir einfach mal weiter."

© dpa

Eher müde berichtete die Kanzlerin von den Erfolgen ihrer Regierung: Das Wirtschaftswachstum sei so hoch, wie lange nicht und die Arbeitslosigkeit so gering wie lange nicht.

Die Jugendarbeitslosigkeit sei seit 2005 um die Hälfte gesunken. Dagegen stiegen die realen Nettolöhne. Keine 15 Minuten brauchte die Kanzlerin für diesen positiven Zwischenbericht.

Doch selten habe es so viele Krisen in kurzer Folge wie in den vergangenen zwei Jahren gegeben, räumte Merkel ein. Dennoch: 2011 sei kein Horrorjahr gewesen. "Es ist ein anspruchsvolles Jahr - aber ein Jahr mit sehr vielen Chancen", beteuerte Merkel.

Einige Dinge habe man bereits "gut erreicht", aber es seien "noch viele Fragen offen". Es sei ja gerade das Schöne, wenn man etwas gestalten könne.

"Einfach weiter arbeiten"

Die schlechten Umfragewerte der Koalition tat die Kanzlerin daher ab: "Jetzt arbeiten wir einfach mal weiter an den Projekten, die vor uns liegen." Es gehöre auch zur Arbeit, dass in den Koalitionsfraktionen unterschiedliche Meinungen ausgetauscht würden.

Genauso gehöre es dazu, dass man sich über einen Diskussionsprozess einige und das sei in der Vergangenheit ja immer geschafft worden.

Gegner werfen ihr zwar immer wieder vor, sie warte zu lange mit Entscheidungen, aber das sieht sie anders: "Ich entscheide Dinge dann, wenn ich glaube, dass sie entscheidungsreif sind." Sie spekuliere wenig.

Und so wurde sie von den Journalisten geradezu mit Fragen bombardiert: Zur Energiewende, der Eurokrise, Stuttgart 21 und den Rüstungsexporten Deutschlands.

Doch die Journalisten mussten viel Geduld mitbringen - der Saal war voll, die Liste der Fragesteller lang. Einer nach dem anderen kam dran. Angela Merkel antwortete sachlich, konzentriert und kurz und knapp.

Merkel hat Spaß an Kanzler

Auf die Frage nach einer erneuten Kanzlerkandidatur schlich sich aber dann doch ein Lächeln auf ihr Gesicht. "Wie Sie sehen, macht mir meine Arbeit Spaß und das wird sich auch in absehbarer Zeit nicht ändern", konterte sie.

Nein, Spaß konnte man nicht erkennen. Aber eine gewisse Ironie, als sie hinzufügte, sie glaube fest daran, dass auch die SPD einen Kandidaten ernennen werde.

Und wo bleibt die Leidenschaft für Europa?, fragten die Hauptstadtjournalisten. Doch die gebe es, beteuerte die Kanzlerin: Wenn sie für alle Themen so viel Leidenschaft hätte wie für Europa, dann müsste ein Tag 48 Stunden haben.

Über kaum ein Thema antwortete sie so ausführlich: Schließlich sei sie eine "leidenschaftliche Europäerin und vor allem mit Leidenschaft dafür, Probleme an der Wurzel zu packen - eine "merkelsche Leidenschaft" eben.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Dicker Hals = dickes Risiko fürs Herz

Nicht nur ein dicker Bauch spricht Bände – der Halsumfang eignet sich ebenfalls, um das kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen. mehr »

Junge Ärzte müssen etwas zur Versorgung auf dem Land beitragen!

Politik und Verbände mühen sich ab, um junge Ärzte für die Versorgung auf dem Land zu begeistern. Blogger Dr. Jonas Hofmann-Eifler sieht die Verantwortung ein Stück weit auch bei sich und seinen Kollegen. mehr »

Konsequente Strategie gegen Diabetes

Angesichts der epidemischen Zunahme von Diabetes-Patienten in Deutschland, muss die nächste Bundesregierung unbedingt den Nationalen Diabetesplan umsetzen. mehr »