Ärzte Zeitung online, 04.08.2011

Hilfreiche Notfallmappe für Demenzkranke

KÖLN (tau). Mit einer neuen Notfallmappe will der Paritätische Wohlfahrtsverband Nordrhein-Westfalen die Versorgung von demenzkranken Patienten verbessern. Sie enthält wichtige medizinische Informationen für die Fälle, in denen der behandelnde Arzt nicht erreichbar ist.

Kommt ein Patient ins Krankenhaus, muss der Arzt die individuelle Krankheitsgeschichte kennen, etwa wenn ein angeborenes Herzleiden vorliegt. Da demenzkranke Menschen darüber selbst keine Auskünfte geben können, ist im Gemeinschaftsprojekt "Blickwechsel Demenz. Regional" in Herdecke die Notfallmappe entstanden.

Klinikärzte sollen in dem Dokument alle Informationen finden, die Einfluss auf eine Behandlung haben können. Dazu zählen Allergien und Medikation, aber auch sogenannte Vorsorgedokumente, etwa eine Patientenverfügung.

Abwägen zwischen Daten- und Gesundheitsschutz

Nach den Vorstellungen der Initiatoren füllt der Hausarzt die Mappe gemeinsam mit den Angehörigen aus. Im Testlauf in Herdecke haben alle Beteiligten die Neuerung als Verbesserung wahrgenommen, berichtet Projektleiterin Dr. Susanne Angerhausen.

Angehörige hätten sich besser aufgehoben gefühlt, die Krankenhausmitarbeiter hätten die Gestaltung der Dokumente als zweckmäßig begrüßt.

Im Hinblick auf den Datenschutz hält Angerhausen die Einrichtung einer umfassenden Sammlung von Krankendaten in privater Hand für durchaus zwiespältig: "Das ist eine schwierige Frage."

Letztlich aber handele es sich hier um eine Abwägung zwischen Daten- und Gesundheitsschutz, wobei letzterem ihrer Einschätzung nach größeres Gewicht zukommt.

Allgemeinmedizinerin: "Eine tolle Sache!"

Die an der Entwicklung und Erprobung beteiligte Herdecker Allgemeinmedizinerin Antje Wollmer ist davon überzeugt, dass die Notfallmappe notwendig ist: "Das ist eine tolle Sache!" Sie sei besonders für die Versorgung an Wochenenden hilfreich, sagt sie.

Damit das Potenzial tatsächlich realisiert wird, müssen die Angehörigen dafür sorgen, dass die Informationen griffbereit sind und laufend aktualisiert werden.

Weitere Informationen: www.blickwechseldemenz.de

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