Ärzte Zeitung, 21.08.2011

Kommentar

Mindestmengen vor dem Abschuss

Von Helmut Laschet

Nach dem Urteil des Landessozialgerichts Brandenburg steht das Konzept der Mindestmengen als Instrument der Qualitätsicherung auf der Kippe. Auch aus der Sicht des Gemeinsamen Bundesausschusses legt das Gericht so hohe Maßstäbe an den Nachweis der Tauglichkeit und Nachvollziehbarkeit bei der Festlegung von Mindestmengen, dass sie wohl unerfüllbar werden.

Seit Anbeginn war das Instrument umstritten. Selbst wenn es einen Zusammenhang zwischen steigender Leistungsmenge und Leistungsqualität gibt - was allerdings nicht durchgängig der Fall ist - so bleibt die konkrete Mindestmenge immer umstritten, weil ihr der Makel der Willkür anhaftet.

Ferner: In dünner besiedelten ländlichen Regionen und Flächenstaaten führen Mindestmengen zwangsläufig zur Unterversorgung mit speziellen Leistungen.

Tatsächlich ist Qualitätsmessung sehr viel komplexer, vor allem in der Hochleistungsmedizin. Dabei kommt es vor allem auf die Organisation und das Zusammenwirken hochspezialisierter Teams an. Die Daten zeigen, dass bei unterdurchschnittlichen Leistungsmengen überdurchschnittliche Qualität produziert werden kann - vice versa. Auch für den GBA sollte Evidenzbasierung gelten.

Lesen Sie dazu auch den Bericht:
Mindestmengen landen in Kassel

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Herzschutz-Effekt durch spezielle Fischöl-Kapseln

Die Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren hat in der REDUCE IT-Studie eine erstaunliche Wirkung entfaltet. Zu einem anderen Ergebnis kommt die Studie VITAL. mehr »

In Westeuropa sterben Deutsche am frühesten

Deutschland hat unter 22 westeuropäischen Ländern die niedrigste Lebenserwartung. Wie aus einem aktuellen WHO-Bericht hervorgeht, gibt es im weltweiten Vergleich noch immer drastische Unterschiede – von bis zu 40 Jahren. mehr »

Gemeinsam gegen Antibiotika-Resistenzen

Die Weltantibiotikawoche ist angelaufen: Während die WHO für mehr Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Medizin wirbt, versucht ein Projekt von Ärzten und Kassen die Bürger für Resistenzen zu sensibilisieren. mehr »