Ärzte Zeitung, 07.09.2011

Schulanfänger werden wieder schlanker

BERLIN (dpa). Deutschlands Schulanfänger werden wieder leichter. Erstmals scheint damit der langjährige Trend zu immer mehr übergewichtigen Schulanfängern gebrochen, berichtete die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) am Mittwoch in Berlin.

In fast allen der 16 Bundesländer seien danach die Zahlen für Übergewicht und Fettleibigkeit zurückgegangen, sagte Anja Moß von der Universitätsklinik Ulm, wo die Schuleingangsdaten von bundesweit mehr als 600.000 Kindern ausgewertet wurden.

Die Ärzte verglichen dabei fast flächendeckend die Ergebnisse von 2004 und 2008 und stellten sie in Bezug zu regionalen Daten aus den 70er und 90er Jahren.Zuletzt reichte der Anteil der übergewichtigen Schulanfänger demnach von 8,4 Prozent in Sachsen bis zu 11,9 Prozent in Bremen und Thüringen.

Die Quote der fettleibigen Kinder lag bei 3,3 Prozent in Brandenburg und Sachsen bis hin zu 5,4 Prozent im Saarland. Insgesamt ging der Anteil der Übergewichtigen zwischen 2004 und 2008 damit um drei Prozent, der Fettleibigen um fast zwei Prozent zurück.

Nur in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg war noch keine Trendwende sichtbar und die Zahlen stiegen weiter leicht an.

Prävalenz bleibt weiter hoch

Noch gebe es keinen Grund, sich zurückzulehnen, betonten die Kinderärzte. Professor Martin Wabitsch von der Ernährungskommission der DGKJ sieht weiterhin Bedarf an wissenschaftlich abgesicherten Vorsorgeprogrammen.

"Diese erfreulichen Zahlen dokumentieren zwar einen Rückgang von Übergewicht und Adipositas, aber dennoch bleiben die Prävalenzraten bei den Einschülern in Deutschland auf einem hohen Level."

Aus den Ergebnissen seien jedoch keine Rückschlüsse möglich, welche Vorsorgeprojekte in Kitas oder bei Kinderärzten die besten Erfolge brächten, ergänzte Wissenschaftlerin Moß.

"Wir wissen aber, dass zum Beispiel Berlin da sehr viel tut. Das ist längst nicht in allen Ländern so." Erst vor wenigen Tagen waren die Berliner Ergebnisse der jüngsten Eingangsuntersuchungen veröffentlicht worden - danach sank in der Hauptstadt die Quote der übergewichtigen Einschüler 2011 erneut.

Ein bundesweiter Vergleich der Einschulungsdaten war bislang schwierig, weil die Erhebungs- und Dokumentationsmethoden von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Jede achte Frau braucht nach der Geburt Antidepressiva

Etwa elf Prozent aller Frauen leiden im ersten Jahr nach der Geburt an Depressionen. Unter jungen Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren ist der Anteil fast doppelt so hoch. mehr »

Die Malaria-Gefahr wächst

Weltweit steigen Erkrankungszahlen an Malaria seit zwei Jahren wieder. Es trifft nicht nur Kinder in Entwicklungsländern, sondern auch Reisende aus Deutschland. mehr »

„Mütter sind die zentralen Ansprechpartner“

In dieser Woche werben Urologen für die HPV-Impfung. Vor allem bei Jungen besteht Nachholbedarf. Wie sie für eine Impfung gewonnen werden sollen, erklärt der Vorsitzende des Berufsverbandes Dr. Axel Schroeder. mehr »