Ärzte Zeitung, 26.10.2011

Uni Heidelberg beteiligt 60 Hausarzt-Praxen

Die Allgemeinmedizin an der Uni Heidelberg rüstet auf und akkreditiert jetzt 60 Praxen für die Forschung. Das Ziel: Praxisnähe in der Wissenschaft.

Uni Heidelberg beteiligt 60 Hausarzt-Praxen

Professor Dr. Joachim Szecsenyi leitet die Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung am Uniklinikum Heidelberg.

© Universitätsklinikum Heidelberg

HEIDELBERG (mm). Erstmals sind 60 Hausarztpraxen von der Medizinischen Fakultät Heidelberg als "Akademische Forschungspraxen" akkreditiert worden.

Eine solch vertraglich vereinbarte Zusammenarbeit ist in dieser Form deutschlandweit einmalig. Die Hausärzte sind damit künftig feste Kooperationspartner des Universitätsklinikums Heidelberg.

Auch organisatorische Strukturen im Blickpunkt

In Ihren Praxen soll in Studien wissenschaftlich geprüft werden, wie die Versorgung chronisch kranker Patienten oder speziell älterer Menschen durch den Hausarzt verbessert werden kann.

Erforscht wird ebenfalls, welche organisatorischen Strukturen dafür nötig sind und welche umsetzbar erscheinen.

Ziel sind bis zu 150 Praxen

"Motivierte Hausärzte mit ihren Teams sind unsere unverzichtbaren Partner für eine erfolgreiche Versorgungsforschung", so Professor Dr. Joachim Szecsenyi, Leiter der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung.

Insgesamt sollen innerhalb der nächsten zwei Jahre zwischen 100 und 150 Praxen akkreditiert werden.

"Die Akkreditierung zur "Akademischen Forschungspraxis" ist eine schöne Anerkennung", sagt Dr. Boye Hoops, der sich mit seiner Praxis in Gaggenau schon seit zehn Jahren in Forschungsprojekten der Uni engagiert.

Der Titel zeige den Patienten zudem, dass ihre Daten frei von industriellen Interessen verwendet würden und sie die wissenschaftliche Forschung unterstützten.

Wichtig für große Studien

Die vertragliche Anbindung der Hausärzte sei zudem wichtig für groß angelegte Studien, erklärt Privatdozent Dr. Frank Peters-Klimm von der Abteilung für Allgemeinmedizin.

Mit verlässlichen Partnern könnten ausreichend viele Patienten zu erreichen und verwertbare Daten ermittelt werden. Das spiele für die Einwerbung von Drittmitteln eine wichtige Rolle.

Um akkreditiert zu werden, müssen die Praxen binnen drei Jahren mindestens einmal erfolgreich an einem größeren wissenschaftlichen Projekt der Abteilung Allgemeinmedizin teilgenommen haben.

Zunächst gibt es Schulungen

Die forschenden Hausärzte machen an mindestens zwei weiteren Projekten im Akkreditierungszeitraum von drei Jahren mit. Dazu werden auch Schulungen durch die Studienkoordinatoren angeboten.

Änderungen der Praxisabläufe und die Dokumentation der Patientendaten verursachen auch Mehraufwand für das Team.

Für Hoops ist das kein Problem. Denn aus seiner Sicht profitiert die Patientenversorgung durch in Studien lernende Ärzte.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Freizeitsportler gefährden ihre Herzgesundheit mit Doping

Fast jeder sechste Freizeitsportler nimmt inzwischen herzschädigende Arzneimittel zur Verbesserung von Fitness und Körperoptik. Vor allem der Anteil weiblicher User steigt. mehr »

Welche Bakterien mit uns U-Bahn fahren

In der Hongkonger U-Bahn sind morgens andere Keime zu finden als im abendlichen Berufsverkehr. Gefährlicher sind Metro-Linien mit höherem Verkehrsaufkommen aber wohl nicht, wie eine Studie ergeben hat. mehr »

Umsatzchancen von Hausärzten hängen stark von KV-Region ab

Niedrige Fallzahlen, aber teilweise auch niedrige Fallwerte: Hausärzte in Hamburg und Berlin haben es als Vertragsärzte nicht leicht. Ihre Kollegen in Thüringen und Sachsen-Anhalt erwirtschaften deutlich mehr. mehr »