Ärzte Zeitung, 08.11.2011

Berliner sterben früher

Wer in der deutschen Hauptstadt lebt, hat eine niedrigere Lebenserwartung als der Bundesdurchschnitt. Laut dem aktuellen Gesundheitsbericht sterben Menschen in Problembezirken früher. Macht Berlin krank?

Berliner sterben früher

Berlins Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher stellte die Ergebnisse des neuen Gesundheitsberichts vor.

© carmen jaspersen / dpa

BERLIN (ami). Rückenschmerzen, Bluthochdruck oder Sehfehler: Diese drei Diagnosen stellten Ärzte in Berlin im Jahr 2007 bei jedem vierten Berliner in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

Bei jedem zweiten GKV-Versicherten wurde eine Laboruntersuchung vorgenommen. Das sind Ergebnisse des neuen Gesundheitsberichts, den die amtierende Berliner Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) am Dienstag vorgestellt hat.

Anonymisierte Daten kommen von der KV Berlin

Die ambulante medizinische Versorgung bildet den aktuellen Schwerpunkt des jährlichen Berichts. Dazu hat die KV Berlin anonymisierte personenbezogene Abrechnungsdaten mit Wohnortangabe zur Verfügung gestellt.

Die scheidende Gesundheitssenatorin betrachtet diese Daten als Grundlage für eine morbiditätsorientierte Versorgungsplanung in Berlin.

Die Zukunft der ambulanten Versorgung sei "eines der wichtigsten Themen" in der nächsten Legislaturperiode, so Lompscher. "Auf diesem Gebiet ist wenig Bewegung, obwohl es in der Stadt ein großes Thema ist", sagte sie.

Lebenserwartung hängt vom Bezirk ab

Weitere Ergebnisse des Berichts: Die Lebenserwartung in Berlin blieb 2010 ein Jahr unter dem Bundesdurchschnitt. Männer wurden 77,2 Jahre, Frauen 82,2 Jahre alt.

Deutliche Unterschiede gibt es zwischen den Bezirken. Bei günstiger Sozialstruktur leben Frauen im Schnitt 2,6 Jahre länger und Männer 3,7 Jahre länger als in sozial schwachen Bezirken.

Fast jeder vierte Mann und jede achte Frau starben vorzeitig. Von diesen Todesfällen hätte ein Drittel vermieden werden können. Lungenkrebs ist bei beiden Geschlechtern die Todesursache Nummer eins.

In Berlin werden Pflegebedürftige häufiger zuhause gepflegt als im Bundesdurchschnitt

Eine Überraschung brachte die Auswertung zur Pflegebedürftigkeit: In Berlin werden Pflegebedürftige häufiger zuhause gepflegt als im Bundesdurchschnitt.

Der Anteil der ambulant gepflegten Männer (80 Prozent) und Frauen (71 Prozent) lag Ende 2009 um fünf Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt. Die Zahl der Pflegebedürftigen stieg von 1999 bis 2009 bei Frauen um 20 und bei Männern um 39 Prozent.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Epileptiker haben hohe Überdosisgefahr

Die Gefahr, an einer Medikamentenüberdosis zu sterben, ist bei Epilepsiekranken fünffach erhöht, so eine Studie. Doch es ist anders, als auf den ersten Blick gedacht: Schuld sind meist nicht die Antikonvulsiva. mehr »

Zehntausende Arztpraxen nicht ohne Barrieren zu erreichen

Nur ein Drittel der Arztpraxen in Deutschland gelten – auch nur zum Teil – als barrierefrei. Das schränke die freie Arztwahl körperlich beeinträchtigter Menschen ein, moniert die Linke-Sozialexpertin Sabine Zimmermann. mehr »

Nichtstun ist gefährlich für Patientendaten

Nur noch wenige Tage, dann tritt die EU-Datenschutzgrundverordnung in Kraft. Grund genug auch für Ärzte, sich die Prozesse der Datenverarbeitung anzuschauen und auf Sicherheit abzuklopfen. mehr »