Ärzte Zeitung, 17.11.2011

"Oase im Gesundheitswesen" wird Zehn

Erfolgreiche Orientierung im Irrgarten Gesundheitwesen

Kammer und KV Hamburg beraten seit zehn Jahren Patienten. 1300 Menschen pro Monat suchen dort Hilfe.

Von Dirk Schnack

HAMBURG. Ein Erfolgsmodell feiert Jubiläum: Die gemeinsame Patientenberatung von Ärztekammer und KV Hamburg besteht seit zehn Jahren und hat seitdem vielen tausend Menschen aus der Hansestadt Fragen beantwortet und Orientierung geboten.

"Patienten irren durch das Gesundheitswesen und fühlen sich verloren", hat Anne Hammer beobachtet.

Die Leiterin der mit durchschnittlich 1300 monatlichen Beratungsgesprächen größten Patientenberatung Hamburgs hat beobachtet, dass die Menschen durch ein breites Angebot und unverständliche Begriffe, aber auch durch verwirrende medizinische und gesundheitspolitische Zusammenhänge hohen Aufklärungsbedarf haben. In den vergangenen Jahren seien die Fragen komplexer geworden.

Überwiegend medizinische Fragen

Um trotz der von Sozialgesetzgebung, Richtlinien und ökonomischen Interessen gesetzten Grenzen individuelle Lösungswege aufzeigen zu können, beschäftigen die beiden ärztlichen Körperschaften in der Hansestadt inzwischen fünf Ärzte, einen Juristen und zwei Sozialversicherungsfachangestellte, die den Hamburgern an fünf Tagen pro Woche kostenfrei Auskünfte geben.

 Dabei geht es zu 60 Prozent um medizinische Fragen. Hiervon sucht knapp die Hälfte der Anrufer einen Spezialisten zu einem bestimmten Krankheitsbild, ein weiteres Drittel medizinische Informationen zu bestimmten Krankheitsbildern oder Therapien.

 Ein Viertel der Anrufe dreht sich um Fragen des Sozialversicherungsrechts. Hierzu zählt etwa, wenn ein Arzt eine Verordnung nicht wie vom Patienten erwartet ausstellt.

"Oase im Gesundheitswesen"

Beschwerden der Patienten machen 16 Prozent der Anrufe aus. Die Körperschaften betonen, dass die Berater unabhängig und neutral arbeiten.

Dies habe dazu beigetragen, dass sich die Einrichtung zu einer festen Größe im Hamburger Gesundheitswesen entwickeln konnte.

Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundes- und der Hamburger Ärztekammer, nannte die Patientenberatung "eine Oase im Gesundheitswesen, das immer mehr von Zeitdruck und finanziellen Zwängen dominiert wird." Die Berater nähmen sich für jeden Anrufer so lange Zeit, bis eine Lösung gefunden sei.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »