Ärzte Zeitung online, 28.11.2011

Schröders IvF-Pläne vergrätzen Unionsfraktion

Ministerin sorgt mit Vorstoß für Unmut / CSU-Abgeordnete Bär will mehr Beratung für betroffene Paare

Familienministerin Kristina Schröder will die künstliche Befruchtung mit zehn Millionen Euro fördern - und geht damit auf Konfrontation mit einigen Unionskollegen. Die sehen in der Ankündigung lediglich "eine schnelle Schlagzeile".

Schröder verspricht Geld für die IvF

Ministerin Schröder: Zehn Millionen für die IvF.

© Arno Burgi / dpa

BERLIN (fst). In der Union ist ein offener Streit ausgebrochen über die Förderung von ungewollt kinderlosen Paaren. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) gerät dabei in die Defensive.

Schröder hatte am Montag in einem Zeitungsinterview den Start eines Förderprogramms für April 2012 angekündigt.

Art und Umfang der Unterstützung von Paaren, die bisher die Hälfte der Kosten einer künstlichen Befruchtung zahlen müssen, ließ Schröder dabei offen.

Gegenwind erhielt die Ministerin nun aus der eigenen Fraktion. Die familienpolitische Sprecherin der Unionsfraktion Dorothee Bär bezeichnet das "Vorpreschen von Frau Schröder als nicht hilfreich".

Bär sagte der "Ärzte Zeitung", sie sei nicht "gegen finanzielle Hilfen für ungewollt kinderlose Paare, wie sie derzeit in der GKV geregelt sind". Doch Schröders Ansatz geht aus Sicht der CSU-Abgeordneten "nicht in die richtige Richtung".

Aufklärung durch die BZgA

Betroffene Paare müssten "viel umfassender beraten werden als das bisher geschieht. Das gilt auch für die Fälle, in denen sich der Kinderwunsch nicht erfüllt".

Bär regt in diesem Zusammenhang eine Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) an, "in der deutlich wird, dass künstliche Befruchtung kein 'Allheilmittel' für betroffene Paare ist".

Dieses Thema wird nach Bärs Einschätzung "bisher viel zu sehr tabuisiert". Schröder hat bisher nicht erkennen lassen, dass sie Finanzhilfen für Paare mit einer besseren Beratung flankieren will.

Fraktionskollegin Bär ist über die Fachministerin vergrätzt: Schröder habe der "parlamentarischen Beratung in unserer Arbeitsgruppe in einer Weise vorgegriffen, die lediglich schnelle Schlagzeilen produziert. Der Sache dienlich ist das aber nicht", kritisierte Bär.

Zehn oder sieben Millionen Euro?

Schröder hatte seit Frühjahr 2011 mehrfach angekündigt, die finanziellen Belastungen für ungewollt Kinderlose lindern zu wollen. Ein koalitionsintern konsentiertes Papier aus ihrem Hause gibt es bislang jedoch nicht.

Selbst über die nackten Haushaltszahlen herrscht Unklarheit. Schröder hatte zuletzt in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ein Förderpaket im Umfang von zehn Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Tatsächlich sind in ihrem Etat allerdings nur sieben Millionen Euro vorgesehen - und die sind mit einem Sperrvermerk versehen. Wann dieser angesichts des Streits in der Union aufgehoben wird, ist offen.

Auch mit den Ländern, die in Schröders Finanztableau einbezogen werden, ist noch keine Einigung in Sicht.

Im Gegenteil: Mecklenburg-Vorpommern hatte im August vorgeschlagen, die Förderung für betroffene Paare von 50 auf 75 Prozent der Kosten aufzustocken, und zwar allein aus Bundesmitteln.

Rückgang bei der Zahl der Geburten durch IvF

Seit dem Jahr 2004 zahlen die gesetzlichen Krankenkassen den ersten bis dritten Behandlungszyklus nur noch zur Hälfte. Ab dem vierten Versuch müssen die Paare die Kosten alleine tragen.

Die Kosten schwanken je Versuch zwischen 3200 und 5000 Euro. Die Zahl der Behandlungszyklen ist seit dem starken Rückgang im Jahr 2004 wieder langsam auf 75.900 im vergangenen Jahr gestiegen.

Das entspreche aber erst dem Stand des Jahres 2001, heißt es im Jahresbericht 2010 des Deutschen IVF-Registers.

Danach betrug die Zahl der lebend geborenen Kinder nach künstlicher Befruchtung im Jahr 2003 noch 18.877, im vergangenen Jahr waren es lediglich 7943.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Ankündigungen fruchten nicht

[07.12.2011, 09:09:57]
Almut Rosebrock 
"Luxus" IVF versus Abtreibungen und finanzielle Not armer Familien
In Berlin wurden gerade wieder 2 tote Säuglinge gefunden.
Die Zahl der Schwangerschaftsberatungen (und auch -Abbrüche) aufgrund finanzieller Not steigt - das gestrichene Elterngeld für "Hartz 4-Eltern" und der allgemeine wirtschaftliche und soziale Druck zeigen Folgen.
Die Kosten für eine Abtreibung wird von den "Krankenkassen" übernommen!
IVF teilweise auch, und vom Steuerzahler.
Wäre Adoptionsfreigabe nicht auch eine "Alternative" zu beidem?
Und die Lebensrettung für Babies, deren Eltern sich realistischerweise eingestehen müssen, dass sie es nicht schaffen werden, ihr Kind selbst gut großzuziehen.
Die Not von Kinder erziehenden Eltern, besonders Alleinerziehenden, ist aufgrund der Hartz 4- und auch der Unterhalts-Gesetzgebung teilweise groß! Das Jugendamt greift in immer mehr Familien zu, denen die Probleme über den Kopf wachsen, zerreißt Familien, sorgt dafür, dass Kinder ohne ihre Eltern und Geschwister aufwachsen müssen, in Heimen, bei Pflegeeltern. Eltern erleben das Trauma des völligen Scheiterns, ohne ihr Kind, ihre Kinder weiterleben zu müssen. Sie stehen damit alleine da. Die Not ist groß!

In dem Zusammenhang würde ich auch dafür plädieren, dass bei bereits kinderreichen sozial schwachen Frauen eine Sterilisation auf Krankenkassenkosten ernöglicht würde. Aber das ist ein weiteres Thema. zum Beitrag »

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