Ärzte Zeitung, 13.12.2011

Regierung kennt PKV-Zahlen nicht

Wie gut kennt die Bundesregierung die PKV? Offenbar nicht gut genug: Die Regierung weiß nämlich nicht, wie viele Privatversicherte von den anstehenden Beitragserhöhungen betroffen sind.

Regierung kennt PKV-Zahlen nicht

Prämiensteigerungen bei der PKV: Die Regierung weiß nicht genau, wie viele Versicherte davon betroffen sind.

© dpa

BERLIN (af). Die Bundesregierung weiß nicht, wie viele privat Krankenversicherte von den anstehenden Beitragserhöhungen betroffen sind.

Das geht aus der Antwort der Regierung auf eine Anfrage der SPD-Gesundheitspolitikerin Dr. Carola Reimann hervor, die der "Ärzte Zeitung" vorliegt.

Bis zu 40 Prozent höhere Beiträge

Reimann, die auch Vorsitzende des Bundestags-Gesundheitsausschusses ist, hatte zudem gefragt, wie hoch der Anteil der Versicherten sei, bei denen die Prämien um mehr als zehn Prozent steigen werden. Auch dies habe die Regierung nicht zu beantworten gewusst, sagt die SPD-Politikerin.

Mehrere Versicherungsgesellschaften haben angekündigt, ihre Prämien zum 1. Januar anzuheben. Die Beiträge für viele Tarife werden um zweistellige Prozentzahlen angehoben, in Ausnahmefällen um bis zu 40 Prozent.

Die kräftigen Prämiensteigerungen begründen die Versicherer meist mit dem demografischen Wandel, dem medizinisch-technischen Fortschritt und der Einführung der Versicherungspflicht.

Ältere Versicherte oftmals betroffen

Überdurchschnittlich stark betroffen sind ältere Versicherte, deren Tarife "vergreisen", weil die Versicherer junge Kunden mit Lockangeboten für Tarife mit niedrigen Einstiegsprämien geködert haben.

Nicht alle langen zu. Es gibt auch Gesellschaften, die ihre Kunden informiert haben, die Beiträge bis 2013 stabil zu halten.

Dass die Regierung nicht wisse, wie viele Verbraucher tatsächlich betroffen seien, sei beschämend, sagte Reimann der "Ärzte Zeitung". Die Antwort sei aus dem Finanzministerium gekommen, das Verbraucherschutzministerium sei nicht angefragt worden.

Auch PKV profitiert von Rabatten

Der Bundestag habe in den vergangenen Jahren die Private Krankenversicherung entlastet, sagte Reimann der "Ärzte Zeitung". Die Privatversicherer profitierten wie die gesetzliche Krankenversicherung auch von den Rabatten und dem Preismoratorium für Medikamente.

Die PKV unterliegt bei der Kalkulation der Prämien gesetzlichen Vorschriften. Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass die Beiträge unbegrenzt steigen könnten.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Diese Akuttherapie lässt Hypertoniker Berge erklimmen

Wenn Hypertoniker in großen Höhen kraxeln, steigt ihr Blutdruck viel stärker an als bei ähnlicher Belastung auf tieferem Niveau. Eine Akuttherapie kann dagegen helfen, berichten Ärzte. mehr »

Nach Laborreform - Alte EBM-Nummer, aber neue Fallen für den Bonus

So viel hat sich bei den Ausnahme-Kennnummern im Labor zum 1. April gar nicht geändert. Doch ihre Wirkung auf Laborkosten ist völlig anders als bisher. Lesen Sie am Beispiel des Diabetes, wie Sie neue Fallen im Labor vermeiden. mehr »

Neue MS-Medikamente für weniger Schübe und weniger Behinderung

Wie innovative Medikamente und neue Behandlungsrichtlinien die Therapie bei MS optimieren – das ist ein Schwerpunkt beim Kongress der Europäischen Neurologen in Lissabon. mehr »