Ärzte Zeitung online, 13.12.2011

EU findet Octylphenol "besorgniserregend"

DESSAU-ROßLAU (dpa). Auf Initiative Deutschlands ist erstmals eine Chemikalie wegen ihrer hormonellen Wirkung in der EU als besonders besorgniserregender Stoff eingestuft worden.

Es handelt sich um Octylphenol, das bei der Herstellung von Farben, Klebstoffen und Reifen eingesetzt wird, wie das Umweltbundesamt (UBA) am Dienstag in Dessau-Roßlau mitteilte.

Studien hätten gezeigt, dass der Stoff das Hormonsystem von Fischen beeinflusst und deren Entwicklung und Fortpflanzung beeinträchtigt. Bereits minimale Konzentrationen von wenigen Millionstel Gramm reichten dafür aus.

Das UBA hatte den Vorschlag für Deutschland ausgearbeitet, den der zuständige Ausschuss der Mitgliedstaaten bei der Europäischen Chemikalienagentur nun einstimmig bestätigt habe. Octylphenol trage damit ab sofort den Status "besonders besorgniserregend".

Mehr als 70 Stoffe bereits in dieser Kategorie

Stoffe mit dieser Bezeichnung sollen langfristig aus dem Verkehr gezogen und ersetzt werden. Ein erster Schritt dorthin sei die Aufnahme in die "Kandidatenliste" der EU-Chemikalienverordnung REACH.

Mit der Entscheidung des Ausschusses tragen demnach derzeit 73 Stoffe den Status "besonders besorgniserregend", 19 davon auf deutsche Initiative.

Die Einstufung hat nach UBA-Angaben bereits direkte Folgen für den Verbraucherschutz. Auf Anfrage muss der Handel demnach kostenfrei Auskunft erteilen, ob ein Produkt diese oder eine andere besonders besorgniserregende Chemikalie enthält.

Verbot der Verwendung möglich

Dem Status könnten nun weitere regulatorische Maßnahmen folgen, erklärte UBA-Präsident Jochen Flasbarth. Denkbar wäre eine Zulassungspflicht.

Alternativ könnte in bestimmten Fällen auch die Verwendung oder der Import - auch als Bestandteil von Produkten - über eine Beschränkung verboten werden.

Flasbarth bezeichnete die EU-Entscheidung als "sehr wichtiges Signal für den Umwelt- und Verbraucherschutz".

Das Umweltbundesamt habe noch weitere besonders besorgniserregende Stoffe im Fokus. Mit der EU-Bestätigung sei der Weg frei, weitere hormonell wirksame Chemikalien zu regulieren.

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