Ärzte Zeitung online, 26.12.2011
 

Ärzte außen vor: Alleingang Selbstmedikation

OTC-Präparate sind im Trend: Vor allem bei kleinen Wehwehchen ist die Apotheke die erste Anlaufstelle. Die Schattenseite: Ärzte erfahren wenig über die Selbstmedikation ihrer Patienten, wie eine neue Studie zeigt.

Nur jeder fünfte Patient in NRW befragt seinen Arzt zur Selbstmedikation

Ein Kessel Buntes: Viele Bürger reden nicht mit ihrem Arzt über Selbstmedikation.

© photos.com

KÖLN (iss). Nur jeder zweite Patient spricht mit seinem behandelnden Arzt darüber, dass er neben den verschriebenen auch rezeptfreie Medikamente einnimmt.

Das zeigt eine repräsentative Bevölkerungsbefragung des Landesinstituts für Gesundheit und Arbeit des Landes Nordrhein-Westfalen (LIGA).

Das LIGA befragt seit 2003 jährlich rund 2000 erwachsene deutschsprachige Bewohner Nordrhein-Westfalens telefonisch zu verschiedenen gesundheitsbezogenen Themen.

Der jetzt veröffentlichte Bericht für das Jahr 2009 enthält auch eine Befragung zum Thema Selbstmedikation, die aus dem Jahr 2008 stammt.

OTC-Präparate bei fast jedem Zweiten

Von den 2000 Teilnehmern gaben 773 oder 38,7 Prozent an, dass sie in den vergangenen vier Wochen ein Medikament eingenommen hatten, das ihnen nicht vom Arzt verordnet worden war.

Die mit Abstand am meisten gekauften rezeptfreien Medikamente waren Schmerzmittel (49,6 Prozent), gefolgt von Husten- und Erkältungsmitteln (29,5 Prozent) und Vitaminen/Mineralstoffen/Stärkungsmitteln (6,5 Prozent). Die überwiegende Mehrheit der Befragten (86,3 Prozent) hatte die Medikamente in der Apotheke gekauft.

"Die Bedeutung von Drogerien, Reformhäusern und Internet beim Kauf rezeptfreier Arzneimittel war dagegen gering (je 2,8 Prozent)", heißt es in dem Bericht "Die Bevölkerungsbefragung zur Gesundheit 2009".

Als Gründe für die Selbstmedikation gaben 80 Prozent an, dass die Beschwerden nicht stark genug waren, um einen Arztbesuch zu rechtfertigen. 25 Prozent hatten keine Zeit, zum Arzt zu gehen.

Information aus der Apotheke

20 Prozent verwiesen darauf, dass der Arzt ihnen das gewünschte Medikament nicht oder nicht mehr verschreiben dürfe. "Jeder Zehnte wollte die Zahlung der Praxisgebühr vermeiden."

Vor dem Kauf hatten sich nach eigenen Angaben 71 Prozent über das gewünschte Präparat informiert oder hatten die notwendigen Hinweise erhalten. Die wichtigste Informationsquelle war die Apotheke, gefolgt von Freunden und der Familie.

Den Arzt nannten rund 20 Prozent der Frauen und 15 Prozent der Männer als Informationsgeber. "In der Apotheke erfolgte die Beratung bei 46 Prozent unaufgefordert, 48 Prozent der Kunden hatten in der Apotheke aktiv um eine Beratung gebeten."

www.liga.nrw.de

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