Ärzte Zeitung online, 28.12.2011

Reges Interesse am Bundesfreiwilligendienst

Seit dem 1. Juli gibt es den Bundesfreiwilligendienst. Er soll die personellen Lücken in den sozialen Einrichtungen schließen, die durch den Wegfall des Zivildienstes gerissen werden. Und die Rechnung scheint aufzugehen.

KÖLN/KOBLENZ (dpa). Der Bundesfreiwilligendienst wird überraschend gut angenommen und gilt ein halbes Jahr nach seiner Einführung bereits als Erfolg.

Bis Weihnachten waren nach Angaben des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben in Köln 26 240 Verträge für einen Bundesfreiwilligendienst abgeschlossen.

"Mit dem Bundesfreiwilligendienst haben wir für alle Altersklassen ein vielfältiges Angebot geschaffen. Und das wird genutzt - allen Unkenrufen zum Trotz", sagte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) der Mittwochsausgabe der "Rhein-Zeitung".

Angesichts dieser Zahlen hält sie die von ihr ausgegebene Marke von jährlich 35.000 sogenannter "Bufdis" für erreichbar.

"Schon sehr positive" Entwicklung

Der Sprecher des Kölner Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, Josef Opladen, sagte zur Halbjahresbilanz: "Es gibt niemanden, der mit einer so hohen Anzahl gerechnet hätte." Die Entwicklung sei daher "schon sehr positiv".

Genauso sieht es Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, der viele Plätze zur Verfügung stellt. "Ich hab mit dem Erfolg, den wir jetzt haben, erst im nächsten Jahr gerechnet", sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

"Es ist ein Erfolg geworden. Jetzt geht's darum auszubauen, Erfahrungen zu sammeln, gerade auch mit den älteren Absolventen, um das Ganze immer weiter zu verbessern."

Im Gegensatz zum Zivildienst, der am 31. Dezember endgültig ausläuft, gibt es beim Bundesfreiwilligendienst keine Altersbegrenzung.

Jeder zehnte Bufdi im Rentenalter

"Hier im Paritätischen schätzen wir, dass wir rund 20 Prozent Ältere haben, also Menschen über 30", sagte Schneider.

"Das reicht vom Studienabsolventen, der sich nun erst einmal orientieren will in der Praxis, bis hin zum 72-jährigen Rentner, der Lust hat, sich einer sinnvollen Aufgabe zu widmen." Von den 20 Prozent der über 30-Jährigen sei etwa jeder zweite im Rentenalter.

Stellen in Pflegeheimen seien relativ schwierig zu besetzen, doch das sei bei den Zivildienstleistenden genauso gewesen.

"Es war immer ein ganz großes Problem, dass junge Menschen natürlich lieber in den Kindergarten wollen als dass sie sich der sehr schweren Arbeit des Umgangs mit pflegebedürftigen Menschen hingeben wollen", sagte Schneider.

Dem Bericht der "Rhein-Zeitung" zufolge gibt es auch deutliche Unterschiede zwischen Ballungsräumen und ländlichen Regionen.

Während in Großstädten die Angebote genutzt würden, gebe es in soziale Einrichtungen auf dem Land nach Aussetzung des Zivildienstes zu wenig "Bufdis".

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »