Ärzte Zeitung online, 07.08.2012

Ärztemangel

Stabsstelle gegen Unterversorgung

Die hausärztliche Versorgung in immer mehr Gemeinden des hessischen Vogelsbergkreises ist gefährdet? Das ruft den Landrat auf den Plan. Er setzt auf ein innovatives strategisches Konzept.

Stabsstelle gegen Unterversorgung

Das hessische Lauterbach: Dort wird jetzt gegen Ärztemangel koordiniert vorgegangen.

© imagebroker / imago

LAUTERBACH (ine). Eine Koordinierungsstelle für die ärztliche Versorgung will Landrat Manfred Görig im hesssischen Vogelsbergkreis einrichten. Er erhofft sich davon Impulse gegen den drohenden Ärztemangel.

Die Gegend um Lauterbach und Alsfeld ist der drittgrößte hessische Flächenkreis mit 19 Städten und Gemeinden.

"Eine Gemeinde ist gänzlich ohne Hausarzt, in anderen ist die hausärztliche Versorgung gefährdet", sagt Görig im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Er hat die Ansiedlung junger Ärzte zu seinem Projekt gemacht.

Die Sicherstellung der medizinischen Versorgung ist für ihn ein Standortvorteil im demografischen Wandel. Die geplante Stabsstelle Gesundheit soll als Scharnierstelle zwischen den Akteuren im Gesundheitswesen helfen, Strukuren zu optimieren.

Geplant sei etwa, eine Datenbank aufzubauen, um wichtige Infos zu Niederlassungen sofort abrufen zu können. Angedacht seien auch Projekte, um Studienanfänger möglichst früh an die Region zu binden.

Weiterbildungsverbund geplant

Görig will, dass die Stabsstelle Beratungsaufgaben übernimmt, etwa bei der Weiterentwicklung der Hausarztpraxen zu Unternehmerarztpraxen. Görig verweist auf ein entsprechendes Konzept, das der Kinderarzt und Ökonom Dr. Thomas Becker aus Alsfeld erarbeitet hat.

Er schlägt eine neue Hausarztstruktur vor, um das Arbeiten als niedergelassener Arzt attraktiver zu machen: Ein Unternehmerarzt kümmert sich um Einrichtung, Betrieb und Erhalt der Praxis und stellt Ärzte an, die Teilzeit arbeiten können, ohne ein unternehmerisches Risiko eingehen oder sich um administrative Aufgaben kümmern zu müssen.

Als Organisationsform empfiehlt er die Gründung einer überregionalen Berufsausübungsgemeinschaft und, je nach Größe der Praxis, einen Dienstplan mit mehreren Schichten.

Angehen will der Landrat auch die Gründung eines Weiterbildungsverbundes mit dem Ziel der integrierten ärztlichen Weiterbildung, damit Ärzte ihre komplette Weiterbildung ohne Wartezeit und ohne Umzug im Landkreis absolvieren können.

Erste Gespräche habe es im Arbeitskreis "hausärztliche Versorgung" des Kreisgesundheitsamtes bereits gegeben. Ob die neue Stabsstelle organisatorisch auch dem Gesundheitsamt zugeordnet wird, steht noch nicht fest.

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