Ärzte Zeitung, 26.08.2012

Forschungsprojekt "Nationale Kohorte"

Grüne bemängeln Schlagseite im

Ein Großprojekt der Gesundheitsforschung, die Nationale Kohorte, ist nach Ansicht der Grünen-Fraktion zu stark biomedinisch und zu wenig sozialmedizinisch ausgerichtet.

Von Florian Staeck

Grüne bemängeln Schlagseite im Forschungsprojekt "Nationale Kohorte"

Birgitt Bender, Gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag.

© privat

BERLIN. Beim Forschungsprojekt Nationale Kohorte handelt es sich um eine prospektive, multizentrische Kohortenstudie, an der 200.000 Probanden zwischen 20 und 69 Jahren teilnehmen sollen. Sie soll im Frühjahr kommenden Jahres starten und eine Laufzeit von 20 bis 30 Jahren haben.

Das Bundesforschungsministerium verspricht sich viel von diesem Großprojekt: Die Nationale Kohorte solle "eine belastbare klinische Datenbasis zur Gesundheitssituation in der Bevölkerung liefern und das bereits bestehende bevölkerungsbezogene Gesundheitsmonitoring am Robert Koch-Institut ergänzen", heißt es in der Antwort der Regierung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Fraktion.

Die Großstudie habe "einen hohen Stellenwert" für die Gesundheitsberichterstattung, da so detaillierte Daten, wie sie durch die Nationale Kohorte erhoben werden sollen, noch nicht vorlägen.

Birgitt Bender: "Rückschritt"

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Birgitt Bender, hält das Konzept der Studie für einen Rückschritt gemessen am sozialmedizinischen Forschungsstand. Sie kritisiert eine "einseitig biomedizinisch-naturwissenschaftliche Studienausrichtung", bei der ein Großteil der Fördergelder "bereits fest für die Anschaffung und Nutzung medizinischer Großgeräte wie Magnet-Resonanz-Tomografen reserviert ist".

Bereits mit der Konzeption der Studie werde maßgeblich entschieden, welchen Beitrag sie beispielsweise "zur Entwicklung von Strategien zur Verringerung der gesundheitlichen Ungleichheit und Stärkung der gesundheitsbezogenen Chancengerechtigkeit" leisten kann.

Endgültiges Studienkonzept steht noch nicht fest

Die Bundesregierung dagegen verweist darauf, die Wissenschaftler planten, den sozioökonomischen und soziodemografischen Status der Probanden zu erfassen. Allerdings stehe das endgültige Konzept der Studie, die sich in der Pre-Test-Phase befinde, noch nicht fest.

Der Start der Hauptphase ist für Mai 2013 vorgesehen, teilt Forschungsstaatssekretär Thomas Rachel mit. Bender verlangt, die Bundesregierung müsse jetzt Transparenz über die Studienkonzeption herstellen, da sich einseitige und fehlerhafte Planungen mittelfristig nicht mehr korrigieren lassen.

Bund und Länder nehmen für die Nationale Kohorte viel Geld in die Hand: Das Fördervolumen für die kommenden zehn Jahre beläuft sich auf 210 Millionen Euro. 140 Millionen Euro davon teilen sich Bund und Länder im Verhältnis drei zu eins. Weitere 70 Millionen Euro trägt die Helmholtz-Gemeinschaft.

[28.08.2012, 18:52:32]
Dr. Bernhard reiß 
Sozialmedizinischer Forschungsstand
Frau Bender kritisiert, daß man sich bei dem Unternehmen an wissenschaftlichen Parametern orientieren will. Und sich nicht durch stark politisch geprägte Badewannenwissenschaftler den Blick für Realitäten verstellen möchte. Wer erinnert sich nicht an die "Erkenntnisse" der Sozialwissenschaftler, die uns mit Inbrunst erklärten, daß ein Mensch, nur durch die gesellschaftlichen Bedingungen geformt, zum Verbecher oder zum Nobelpreisträger wird. Wie mag wohl das Ergebnis zur gesellschaftlichen Chancengleichheit aussehen damit es Frau Bender in´s Weltbild passt? "Die Armen" müssen leiden, damit "die Reichen" alles bekommen. Sozialwissenschaft. Ein Witz!  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »