Ärzte Zeitung, 30.10.2012

Vorstoß der KBV

Kampf dem Papierkrieg

Von der Wiege bis zur Bahre - Formulare, Formulare: Wie sehr die Bürokratie die Arztpraxen tatsächlich lähmt, will die KBV jetzt herausfinden. Dazu hat sie ein interaktives Internetportal freigeschaltet - und ruft die Ärzte zum Mitmachen auf.

Kampf dem Papierkrieg

Träumt er von der papierlosen Praxis?

© Monkey Business / fotolia.com

BERLIN (af). Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) tritt in einen Dialog mit den Vertragsärzten über die Bürokratie ein.

In einem Internetportal können sich Ärzte und Psychotherapeuten seit Dienstag über den Verwaltungsaufwand in den Praxen austauschen und die Vorschläge der Kollegen kommentieren.

Ärzte und Therapeuten können sich bei der KBV als Experten registrieren lassen und sie beim Abschätzen des Bürokratieaufwandes unterstützen.

Das Portal ist Teil der Initiative "Mehr Zeit für Patienten" und ist direkt nur für die rund 30.000 Vertragsärzte zugänglich, die sich am Datenaustausch über KV-Safenet beteiligen.

Alle anderen Niedergelassenen sind deshalb nicht außen vor. Sie können sich mit Vorschlägen zum Bürokratieabbau an ihre Kassenärztliche Vereinigung wenden. Die leite sie dann an die KBV weiter, sagte KBV-Vorstand Regina Feldmann bei der Vorstellung des Projekts am Dienstag in Berlin.

Überflüssiges identifizieren

Mit dem Portal will die KBV überflüssige Verwaltungsakte identifizieren und abbauen helfen. Jeder Vorschlag werde bei der KBV geprüft. Nach etwa zwei Wochen sollen die Ärzte eine Rückmeldung erhalten, kündigte KBV-Dezernatsleiter Dr. Lothar Lieschke an.

Im Visier habe die KBV nicht die Behandlungsdokumentation an sich, sondern die Anfragen der Kassen. Das Portal sei ausdrücklich nicht als Kampfinstrument gegen die Kassen gedacht, sagte Feldmann.

Gleichwohl sind die Formularwut der Kassen und ihre Anfragen mit ein Auslöser für die jüngste Aktion der KBV. Die Arztpraxen seien zur "verlängerten Werkbank der GKV" geworden, sagte Lieschke.

Nicht hinter jeder Anfrage stehen die Kassen selbst. Auch der Wissensdurst der Versorgungsämter beschert den Ärzten zusätzliche Arbeit.

Ein jüngeres Beispiel: Ärzte sollen zunehmend Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen für Arbeitslosengeldbezieher ausstellen, berichtete Feldmann. Jeder Versorgungsanspruch, den ein Ministerium schaffe, lande auf den Schreibtischen der Vertragsärzte und Psychotherapeuten.

Die KBV schätzt bereits seit 2010 neue Regelungen auf ihre Bürokratiebelastung ab. Mit dem Portal will die KBV auch herausfinden, ob sie und die Ärzte dabei überhaupt dieselbe Sprache sprechen.

"Wir wissen nicht, ob das, was wir als Bürokratie empfinden, draußen auch so empfunden wird", räumte Lieschke ein.

Einführung eines Rahmenformulars vorgeschlagen

Konkrete Forderungen der KBV an die verantwortlichen Politiker und die Kassen gibt es schon. Die Praxisgebühr soll weg, ist eine davon. Weniger prominent sind die Forderungen nach einer Vereinfachung der Bearbeitungen von Anträgen auf medizinische Rehabilitation.

Auch die formfreien Anträge der Kassen belasten den Praxisalltag. Hierfür schlägt die KBV vor, ein Rahmenformular einzuführen, das den Ärzten mehr Rechtssicherheit verschaffen soll.

Der Stoff wird den Ärzten nicht ausgehen. Mit der sektorenübergreifenden Qualitätssicherung, derzeit noch im Versuchsstadium, steht das nächste Bürokratiethema bereits vor der Praxistür.

Bürokratieabbau gilt längst auch in der Politik als zentrales Handlungsfeld, um mehr junge Mediziner für den Beruf des niedergelassenen Arztes zu begeistern. Dass es einen Zusammenhang zwischen der Arbeitszufriedenheit und dem Verwaltungsaufwand in den Praxen gibt, machte auch der Ärztemonitor 2012 deutlich.

57 Prozent der befragten Ärzte und Psychotherapeuten gaben an, dass ihnen für die Behandlung der Patienten nicht ausreichend Zeit bleibe und dass der Verwaltungsaufwand 14 Prozent ihrer Arbeitszeit verschlinge.

Hier geht's zum neuen Internetportal, allerdings nur über das KV-Safenet: http://buerokratieabbau.kv-safenet.de

[05.11.2012, 12:45:33]
Dr. Max Großkopf 
Arroganz der KVB
Die KVB diskriminiert alle Kassenärzte, die nicht für KV-safenet oder KV-flexnet zahlen, wen vertritt sie denn, nur eigene Interessen ?

KV-safenet hat eigene Risiken und entbindet im Übrigen den Nutzer nicht von der strafrechtlichen Verantwortung, wenn was schiefgehen sollte.
Er hat keinerlei Kontrollmöglichkeiten über seinen router und vermutlich auch niemanden beauftragt, die Sicherheit regelmäßig zu prüfen. zum Beitrag »
[31.10.2012, 14:27:46]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
KBV torpediert ihren eigenen Bürokratieabbau?
Drei Vorschläge an die KBV/KVen zum Bürokratieabbau in der GKV und bei den Vertragsärzten/-innen

1.  Abschaffung der Praxisgebühr:
Nach Schätzungen des Nationalen Normenkontrollrates vom März 2012, der die Bundesregierung beim Bürokratieabbau kontrolliert und berät, kostet allein die Verwaltung der Praxisgebühr in den Vertragsarztpraxen rund 300 Millionen Euro pro Jahr.

2. Abschaffung der Krankengeldformulare:
145 Gesetzliche Krankenkassen (Stand 2. Quartal 2012) betreiben 145 individuelle Formulare für ihre Krankengeldzahlungen nach Ende der Lohnfortzahlung. Vom Arzt wird die schlichte Fortschreibung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) nach Muster 1 a abgefragt. Im EDV-Zeitalter müssen kleine Kästchen handschriftlich mit Krankheitsbeginn, Dauer, Wiedervorstellung, Ende der AU und Diagnoseverschlüsselung nach ICD-10 mühsam ausgefüllt werden. In vielen PKV-Unternehmen wird dieser anachronistische Unsinn auch praktiziert.

3. Vereinfachtes Vorschlagswesen:
Ende des überbürokratisierten Zugangs für Verbesserungsvorschläge über KV-SafeNet und die KBV. Verbesserungsvorschläge müssen offen vernetzt über die normalen Internet-Adressen kommuniziert werden können. Der diskriminierende A u s s c h l u s s von Kolleginnen und Kollegen o h n e eigenen KV-SafeNet- oder KV-FlexNet-Anschluss ist eine selbst geschaffene Bürokratiehürde zur Verhinderung von Verbesserungsvorschlägen!.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
 zum Beitrag »
[30.10.2012, 22:42:13]
Dr. Zlatko Prister 
I habe a dream......
Mein Traum ist:

VEREINHEITLICHUNG der Anfragenformulare und Auszahlungsscheine aller Krankenkassen, und

ELEKTRONISCHE PAPIERLOSE KOMMUNIKATION zwischen Krankenkassen und Ärzten.

Die Technologie ist vorhanden.
Warum also nicht gleich IT-Kommunikation umsteigen.

Mit freundlichen Grüßen
paierloser hausarzt
www.prister.de zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Gala mit Herz und Verstand

Mit einer festlichen Gala hat Springer Medizin pharmakologische Innovationen und ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Die Preisträger vermittelten Hoffnung auf Heilung und auf Hilfe, hieß es am Donnerstagabend. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der deutschen pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »