Ärzte Zeitung, 22.11.2012

Berlin-Brandenburg

Forschung mit unbekannter Dachmarke

Ein Masterplan sollte der Gesundheitsregion Berlin-Brandenburg eine bundesweite Spitzenposition sichern. Das hat teilweise geklappt - ein Gutachten offenbart aber auch Schwächen.

Von Eugenie Wulfert

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Klinische Forschung: Hier ist die Gesundheitsregion Berlin-Brandenburg bundesweit gesehen spitze.

© Alexander Raths / shutterstock

BERLIN. Die Hauptstadtregion ist überdurchschnittlich durch die Gesundheitswirtschaft geprägt und nimmt eine nationale Spitzenposition im Bereich der Lebenswissenschaften und der klinischen Forschung ein.

Zu diesem Ergebnis kommt die vom Institut Arbeit und Technik in Gelsenkirchen realisierte Evaluierung des Masterplans "Gesundheitsregion Berlin-Brandenburg".

Clustermanager Kai Bindseil zeigte sich insgesamt zufrieden mit den Ergebnissen der Evaluation. "Sie hat nochmals die herausragende Bedeutung und Vielfalt der Gesundheitswirtschaft in der Region belegt", sagte er.

Die Ziele waren zu vielfältig

Dennoch konnte das Gutachten auch einige Schwächen und Optimierungsbedarf bei der strategischen Ausrichtung des Masterplans zur Förderung der Gesundheitswirtschaft in Berlin und Brandenburg aus dem Jahr 2007 aufzeigen.

Denn offenbar waren die darin vorgesehenen zwölf Handlungsfelder eine zu große Aufgabe für vorhandene, vielerorts ehrenamtliche Managementstrukturen. Die Ziele waren "zu allgemein, zu vielfältig, zu facettenreich", heißt es im Gutachten.

Daher sollen nun die Handlungsfelder des Masterplans gebündelt und stärker professionalisiert werden.

In einem neuen Masterplan, der nach Angaben von Bindseil in etwa einem Jahr vorgelegt werden soll, wird die Zahl der Felder auf nur noch vier branchengeleitete Handlungsfelder reduziert: "Biotechnologie und Pharma", "Medizintechnik", "Neue Versorgungsformen und Rehabilitation" sowie "Gesundheitsförderung, Prävention und Gesundheitstourismus".

Handlungsfeldübergreifend sind sogenannte Integrativthemen vorgesehen. Ein solches "sehr interessantes" Thema ist für Bindseil etwa die Schnittstelle zwischen Gesundheit und IT.

Gesundes Altern ist relevant

Auch die demografische Entwicklung und die Fragen des gesünderen Alterns seien wichtig.

"Wir werden uns früher als viele andere Länder diesen Herausforderungen stellen müssen. Aber wir haben die Chance, Lösungen und Produkte zu entwickeln, die weltweit gefragt sind", sagte er.

In den verbliebenen vier Handlungsfeldern sollten zudem professionelle Managementstrukturen eingezogen werden, lautet die Empfehlung des Direktors des Instituts Arbeit und Technik in Gelsenkirchen, Josef Hilbert. Clusterstruktur und -organisation müssten schlanker werden.

Das Clustermanagement liegt bei der Berliner Technologiestiftung (TSB), der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB) und der Wirtschaftsförderung Berlin Partner. Darüber ist die Politik mit Ministerien und Senatsverwaltungen angesiedelt.

Unter der Dachmarke HealthCapital Berlin-Brandenburg versammeln sich laut TSB unter anderem 132 Kliniken, 215 Biotech-Unternehmen, sieben Technologieparks, die Charité sowie 25 Hochschulen und 5775 Unternehmen mit 274.000 Beschäftigten.

HealthCapital bekannter machen

Auf Konferenzen, Tagungen und Workshops versucht das Clustermanagement, Menschen aus diesen Einrichtungen zusammenzubringen, die Firmen oder Institute zu den passenden Fördertöpfen zu führen oder Projekte einzuwerben, die dann mit staatlichen Mitteln in Gang kommen.

Von den fünf Clustern, in denen Berlin und Brandenburg gemeinsam wirtschaftspolitische Schwerpunkte setzen, ist die Gesundheit das größte und älteste. Und doch ist HealthCapital neben den anderen kaum sichtbar, urteilten die Gutachter.

Nur jeder Zweite der Befragten kannte sie. Die Trägerinstitutionen des Clustermanagements seien bekannter als das Clustermanagement selbst.

Bindseil hat dafür eine einfache Erklärung: "Die Trägerorganisationen sind größer und länger am Markt tätig". Dennoch sei es eine der wichtigsten Aufgaben, die Dachmarke HealthCapital bekannter zu machen, so Bindseil.

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