Ärzte Zeitung, 01.01.2013

Kritik von Patienten

Schulterzucken in Psychiatrien

Beschwerden von Patienten - auch die Psychiatrie bleibt davon nicht verschont. Ein Berliner Bericht zeigt jetzt, dass nicht alle Einrichtungen konstruktiv damit umgehen.

Von Eugenie Wulfert

beschwerde-A.jpg

Der rote Knopf.

© LaCatrina / fotolia.com

BERLIN. Nach wie vor gehen nicht alle Psychiatrieeinrichtungen aufgeschlossen und konstruktiv mit Kritik und Beschwerden von Patienten um. Das geht aus dem ersten Jahresbericht 2011 der Berliner Beschwerde- und Informationsstelle für Psychiatrie (BIP) hervor.

"Auch wenn einige Beschwerde-Adressaten aufgeschlossen auf Kritik reagieren, gibt es dennoch einige Einrichtungen, die die Mitarbeit verweigern und die Verantwortung für den Beschwerdevorwurf von sich gewiesen haben", sagte BIP-Projektleiterin Petra Rossmanith bei der Vorstellung des Berichts in Berlin.

Im Bericht wird zudem bemängelt, dass auch bei Einrichtungen mit generell vorhandener Kooperationsbereitschaft die Beschwerdebearbeitung oft sehr aufwändig war, da die Zuständigkeiten für Außenstehende nicht transparent waren oder wechselten.

Das Spektrum der Beschwerden, die bei der BIP eingangen sind, ist breit. Etwa die Hälfte der 468 Beschwerden bezog sich laut Jahresbericht auf strukturelle Mängel.

Patienten beklagten zu lange Wartezeiten, unzureichende Einbindung von Angehörigen, fehlende Orientierungshilfen oder die ungenügende Vernetzung von ambulanten und stationären Hilfsangeboten.

Aber auch die ungewollte Verabreichung von Psychopharmaka, Zwangsbehandlungen wie Zwangseinweisung oder Fixierung, unhöfliche Umgangsformen des Personals, beengte räumliche Unterbringungsverhältnisse, Zweifel an der Qualifikation des Personals, Übergriffe sexueller und gewalttätiger Art waren Gegenstand der Beschwerden.

Seit Februar 2011 unterstützt die BIP Patienten, die bereits in psychiatrischer Behandlung waren, und deren Angehörige bei der Bewältigung von Problemen, die mit Psychiatrieaufenthalten zusammenhängen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Spahn kritisiert Stimmungsmache der Ärzte

Die Ärzte sind verärgert über Spahns Versorgungsgesetz. Der Gesundheitsminister stellt gegenüber der "Ärzte Zeitung" irritiert klar: Die KBV hat am Gesetz mitgearbeitet. mehr »

Wer wird Galenus-Preisträger 2018?

Heute Abend ist es soweit: Im Rahmen einer feierlichen Gala werden wieder innovative Arzneimittel und hervorragende Grundlagenforscher mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis ausgezeichnet. 13 Innovationen sind im Rennen. mehr »

Glücklich und zufrieden mit dem Job

Ärzte und Psychotherapeuten arbeiten gerne in ihrem Beruf und würden ihn wieder ergreifen. Der Ärztemonitor zeigt auch: So viele Ärzte wie nie zuvor sind zufrieden mit der wirtschaftlichen Situation. mehr »