Ärzte Zeitung, 27.12.2012

Sachsen-Anhalt

Der Hauch von Ratlosigkeit

Viele Strategien, viele Misserfolge: In Sachsen-Anhalt will es mit der Werbung um Hausarztnachwuchs nicht so richtig funktionieren.

Von Petra Zieler

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Der junge Arzt, das zarte Pflänzchen: In Sachsen will es mit dem Nachwuchs nicht so rechts klappen.

© [M] Eric Pothier (Schildchen) | vectorscheffe (Button) | T. Tulic (Hintergrund) / fotolia.com

WERNIGERODE. "Junge Leute braucht das Land." Das offenbarte bereits ein Blick in die Medizinerrunde des 22. Hausärztetages Sachsen-Anhalt.

Wohl auch um den Altersdurchschnitt etwas zu senken, hatte Andreas Petri, Vorsitzender des Landeshausärzte-Verbandes, erstmals auch 25 Medizinstudenten eingeladen.

"Das Stipendienprogramm für angehende Ärzte ist nicht so gut angelaufen wie erhofft", schätzte Gesundheitsminister Norbert Bischoff beim Gesundheitspolitischen Forum ein, das immer am Beginn eines Hausärztetages steht.

"Wir haben nach wie vor das Problem, dass zu wenig Studierende in die Allgemeinmedizin gehen wollen." Bischoff glaubt, die Fachärzte hätten eine höhere Lobby und hat auch deshalb den Vorschlag der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin für ein Pflichtquartal in einer Hausarztpraxis während des Medizinstudiums unterstützt.

Die daraus resultierende Festlegung, zehn Prozent der Studierenden einen Famulaturplatz in der Allgemeinmedizin zu garantieren, ist für Professor Ferdinand M. Gerlach lediglich ein Kompromiss.

"Wir haben ein Problem mit dem Nachwuchs", so der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DGAM) und Vorsitzende des Sachverständigenrates für Gesundheit "und leider auch das Problem, dass die Bundesregierung nicht so oft auf uns hört, wie wir das wünschten."

Der Hausarzt wird laut Gerlach mehr und mehr zum Generalisten im Gesundheitssystem. "Hausärzte sind die Spezialisten für den gesamten Menschen, Spezialisten für die Langzeitversorgung chronisch Kranker."

Selbst ein niedrigerer NC half nicht

Um die Versorgung auch künftig flächendeckend sichern zu können, forderte der DEGAM-Präsident Steuerungsmechanismen. "Es werden genug Ärzte ausgebildet. Wir müssen aber dafür sorgen, dass sie dorthin gehen, wo wir sie brauchen - in die Fläche."

Hausärztin Dr. Anna-Elisabeth Hintzsche aus Halle möchte die Idee ihrer baden-württembergischen Kollegen aufgreifen, die Weiterbildungsassistenten aufs Land schicken, um sie über Leben und Arbeiten in ländlichen Regionen zu informieren.

Die Idee sei wichtig und gut, meinte Bischoff. Für Überlegungen, sie gemeinsam zu organisieren, sei er offen.

Thomas Steger, Dozent für Allgemeinmedizin an der Uni Halle, gab zu bedenken, dass von derzeit 20 Studierenden, die sich für Allgemeinmedizin entschieden haben, drei wieder abspringen wollen, weil in Lehrpraxen oftmals Probleme aufgrund zu hoher Belastung im Vordergrund stehen.

Auf den Vorschlag, mehr Sachsen-Anhalter zum Medizinstudium an den Unis in Magdeburg und Halle zuzulassen, die dann mit hoher Wahrscheinlichkeit auch im Land blieben, reagierte Dr. Burkhard John, selbst Hausarzt und Vorstand der KV Sachsen-Anhalt, mit Skepsis.

"Um mehr Regelungen als nur den Numerus clausus zu Rate zu ziehen, wurden zum Herbstsemester 2012 erstmals Studienanwärter bis zu einem Notendurchschnitt von 2,6 zu einem Test eingeladen. Leider konnten wir auch über diesen Weg nicht mehr Landeskinder gewinnen."

In Sachsen-Anhalt fehlen 400 Allgemeinmediziner. Da ein Großteil der Hausärzte älter als 60 Jahre ist, könnten es in fünf Jahren 650 sein. Derzeit werden von drei frei werdenden Hausarztsitzen zwei wieder besetzt.

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