Ärzte Zeitung online, 07.08.2013

Fördergelder für Frühe Hilfen

Nur vier Länder greifen vollständig zu

Rund 29 Millionen Euro hat der Bund 2012 den Ländern für den Aufbau von Netzwerken für Frühe Hilfen bereitgestellt. Doch nur vier Länder haben ihren Anteil vollständig abgerufen.

Von Johanna Dielmann-von Berg

NEU-ISENBURG. Die Länder haben 2012 nur etwas mehr als die Hälfte der Fördermittel des Bundes für Frühe Hilfen abgerufen. Lediglich Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, das Saarland und Bremen haben die ihnen zustehenden Gelder nahezu vollständig in Anspruch genommen.

Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linken im Bundestag hervor.

Damit sind von den geplanten 28,9 Millionen Euro in 2012 insgesamt nur rund 16,2 Millionen Euro an die Länder geflossen. Mit dem Geld unterstützt der Bund den Aufbau von Netzwerken für Frühe Hilfen und Kinderschutz sowie den Einsatz von Familienhebammen.

Basis dafür ist eine Bundesinitiative, die mit dem Bundeskinderschutzgesetz im Januar 2012 gestartet ist. So sollen Problemfamilien gezielt unterstützt werden.

Einen Grund, warum die Fördermittel nicht ausgeschöpft wurden, nennt die Regierung nicht. Auch seien ihr keine Probleme beim Aufbau der Netzwerke bekannt, antwortet sie den Linken.

Mangel an Familienhebammen

Eine Erklärung könnte jedoch sein, dass es bisher noch wenige Familienhebammen gibt. Dem Deutschen Hebammenverband zufolge waren es im Mai dieses Jahres rund 1600, 150 sind noch in der Fortbildung.

Laut der Regierung sind daher "noch erhebliche Anstrengungen" zu unternehmen, um die Zahl zu steigern. Unter anderem prüft das neu gegründete Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH), welche anderen Gesundheitsberufe für die Tätigkeit als Familienhebamme infrage kommen.

Für 2013 ist laut Gesetz vorgesehen, die Fördermittel auf insgesamt 45 Millionen Euro aufzustocken. Die Regierung geht davon aus, dass die Länder 2013 das Fördergeld vollständig abrufen werden.

Sie rechnet ebenso damit, dass die Netzwerke flächendeckend ausgebaut werden. Dabei stützt sie sich auf eine Umfrage, die das NZFH noch vor Start der Bundesinitiative gemacht hat.

An der Befragung haben 96 Prozent aller Jugendämter teilgenommen. Das Ergebnis: Nur in einem Fünftel der Jugendamtsbezirke gab es noch kein Netzwerk für Frühe Hilfen oder Kinderschutz.

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