Ärzte Zeitung online, 07.08.2013
 

Fleischfreier Tag

Weitverbreiteter Widerstand gegen Grünen-Vorschlag

Die Grünen wollen einen fleischfreien Tag in deutschen Kantinen - und haben das in ihr Wahlprogramm geschrieben. Ihr Vorschlag stößt vielerorts auf Widerstand.

Weitverbreiteter Widerstand gegen Grünen-Vorschlag

Geht es nach den Grünen, soll es einmal pro Woche einen "Veggie Day" in deutschen Kantinen geben.

© photos.com PLUS

BERLIN. Die Grünen stoßen mit der Idee eines fleischlosen Tags in Kantinen auch bei Gewerkschaften und der Industrie auf großen Widerspruch.

"Wir sind gegen jede Form der Bevormundung", sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Franz-Josef Möllenberg, den Dortmunder "Ruhr Nachrichten" (Dienstag). "Fleisch und Wurst gehören zu einer ausgewogenen Ernährung nun einmal dazu."

Union, FDP und Linke hatten sich schon am Montag kritisch geäußert. Die Grünen hatten bereits Ende April in ihrem Wahlprogramm die Forderung nach einem sogenannten Veggie Day in Kantinen festgeschrieben, um die Gesundheit sowie den Tier- und Klimaschutz zu fördern.

Bevormundungsmodell?

"Unsere Mitarbeiter sollten selbst entscheiden, was sie essen wollen", sagte der Präsident des Verbandes der Familienunternehmer, Lutz Goebel, der "Bild"-Zeitung (Dienstag).

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Wolfgang Ingold. "Hinter diesen Plänen steht ein ganz seltsames Bevormundungsmodel", sagte er dem Blatt.

Der Vegankoch und Buchautor Attila Hildmann ("Vegan for Fit") sprach sich ebenfalls gegen einen verpflichtenden Veggietag in deutschen Kantinen aus. "Ich animiere die Menschen, diese genussvolle, bunte Küche selber auszuprobieren", sagte er der Hannoveraner "Neuen Presse" (Dienstag).

Özdemir verteidigt den Vegetarier-Tag

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte der "Passauer Neuen Presse" (Dienstag): "Wir sollten in den Kantinen gesündere Kost anbieten und den Fleischkonsum verringern." Zwangslösungen seien aber nicht dienlich.

Auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hatte sich am Montagabend im BR-Fernsehen von seinem Wunschpartner Grüne mit dem ironischen Satz distanziert: "Die haben noch nicht mitgekriegt, dass es jetzt um die Wurst geht."

Positive Erfahrungen mit einem vegetarischen Tag in Kantinen macht hingegen der Vegetarierbund Deutschland (Vebu). 30 Städte beteiligen sich mittlerweile an dem Projekt "Donnerstag ist Veggietag". "Der Veggietag kommt sehr gut an", sagte Projektleiterin Silke Bott.

Meist werde das fleischlose Angebot in den beteiligten Kantinen donnerstags erhöht. Es stehen jedoch auch am Veggietag Fleischgerichte zur Auswahl.

"Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen sind die Länder, mit den meisten Veggietag-Städten", sagte Bott. "Während der Veggietag zum Beispiel in Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Thüringen noch nicht angekommen ist."

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir verteidigte den Vorstoß seiner Partei. "Die Grünen wollen niemandem verbieten, Fleisch zu essen (...). Aber wir wollen, dass es Alternativen gibt", sagte er am Dienstag im ZDF-"Morgenmagazin".

"Es geht darum, dass wir alle miteinander schauen müssen, wie können wir unseren Beitrag zum Klimaschutz leisten, aber auch zu einer artgerechten Tierhaltung." (dpa)

btw2013gruene
[07.08.2013, 22:19:22]
Peter Friemelt 
Widerstand nicht nachvollziehbar
Ich finde die Idee der Grünen gut, obwohl ich selber Fleisch esse. Es ist bekannt, dass in Deutschland zuviel Fleisch konsumiert wird und dass die Fleischindustrie sehr unwürdige Methoden unterstützt und selber praktiziert. Wir können so nicht weitermachen. Der Weg zu einem bewussteren Umgang mit Fleisch ist lang und es ist wichtig, dass man merkt, dass man auch mal einen Tag ohne Fleisch aushalten kann, ohne dass dadurch die Welt untergeht. Dazu gehören gute Köche und gute Vorschläge.
Peter Friemelt, München zum Beitrag »
[07.08.2013, 10:31:41]
Marion Knorr 
Fleisch Fleisch Fleisch!
Es ist seltsam: Alle reden vom Klimawandel, niemand fühlt sich aber persönlich zuständig dafür! Seit den 70er Jahren ist Fleisch Essen immer billiger geworden, seit der Globalisierung/der Freihandelspolitik der späten 80er/frühen 90er Jahre ist Fleisch zur Schnäppchenware geworden. Durch ganz Europa und darüber hinaus wird es kutschiert, auch lebend!

Die Meisten Menschen meinen, sie müssten dauernd Fleisch in sich hinein stopfen, täglich! Als sei dies gut und gesund. Nein, es ist nachweislich ungesund, abgesehen von Hormonen und Gammel im Fleisch und: der Fleischverbrauch ist der CO2 Produzent überhaupt, weltweit, abgesehen von wirklich entsetzlicher Tierquälerei, von der am Ende niemand etwas gewusst haben will.

Argumente wie das, ein fleischfreier Tag sei ein "ganz seltsames Bevormundungsmodel" versuchen denjenigen, die zumindest im Ansatz eine Bewusstseinsänderung herbeiführen wollen, undemokratisches Verhalten unterzujubeln, das ist aber reine Projektion derjenigen, die sich ihre tägliche Fleischration demokratisch schönreden wollen.

Ein Tag(!!) in der Woche, in der es in einer Kantine kein Fleisch gäbe wäre keine Bevormundung, sondern der nett gemeinte Versuch, einen Mindestbeitrag zum Umweltschutz, zum Tierschutz und zur Sorge um die eigene Gesundheit zu leisten. Früher (bis in die 70er Jahre) gab es i.d.R. einmal in der Woche Fleisch, da stimmt doch heute etwas nicht mit der Wahrnehmung dessen, was richtig und falsch ist! Nur wer sich selbst gut pflegt und achtsam mit der Umwelt ist, wird seinen ökologischen Fingerabdruck reduzieren und zudem gesünder leben!
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