Ärzte Zeitung, 16.09.2013

Reanimation

Tödliche Unwissenheit

5000 Menschen sterben jährlich, weil die Deutschen die Reanimation nicht beherrschen. Mit der "Woche der Wiederbelebung" machen Anästhesisten das zum Thema.

Von Helmut Laschet

BERLIN/KÖLN. Der plötzliche Herztod ist mit etwa 80.000 bis 100.000 Fällen pro Jahr eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Ursächlich ist ein plötzlicher Herzstillstand, der allerdings reversibel ist.

In diesem Fall kommt es entscheidend auf die rasche Reanimation insbesondere durch Herzmassage an. Jede Minute Verzögerung reduziert die Überlebenswahrscheinlichkeit um zehn Prozent.

Entscheidend ist in dieser Situation, dass medizinische Laien durch Herzdruckmassage die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken. Genau an diesem Punkt hat Deutschland allerdings erhebliche Defizite.

Aus einer aktuellen Auswertung des Deutschen Reanimationsregisters der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) ergibt sich, dass in Deutschland nur in 15 Prozent der Fälle vor Eintreffen des Rettungsdienstes mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen wird; besonders niedrig sind die Raten vor allem in häuslicher Umgebung.

In den meisten europäischen Ländern liegt diese Rate deutlich höher. In Schweden und Norwegen werden Reanimationsraten durch Laien von bis zu 60 Prozent erreicht.

"Woche der Wiederbelebung"

Aus diesem Grund haben die Intensivmediziner die "Woche der Wiederbelebung" unter Schirmherrschaft des Bundesgesundheitsministeriums gestartet. Am Mittwoch wird Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr sich persönlich an der Aktion beteiligen.

Das Ziel der Intensivmediziner ist es, Wissen und Fähigkeiten der Reanimation im Notfall in der Bevölkerung zu implementieren.

Am besten würde dies gelingen, so Professor Bernd Böttiger, Direktor der Intensivmedizin an der Uniklinik Köln zur "Ärzte Zeitung", wenn Reanimationskurse regelmäßig in den Schulunterricht integriert würden.

Wenn Kinder und Jugendliche mehrfach im Laufe ihrer Schulzeit ein Reanimationstraining absolvieren, würde dies so in Fleisch und Blut übergehen, dass die Fähigkeit ein ganzes Leben erhalten bliebe, kalkuliert Böttiger.

Daher hat die Uni Köln alle Schulleitungen angeschrieben und bietet ab der siebten Jahrgangsstufe zweistündige Schulungen am 17. und 18. September an.

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