Ärzte Zeitung online, 27.09.2013

Große Koalition

 Auf dem Hausärztetag funktioniert sie schon

Man könnte denken, die Wahl sei noch nicht vorbei. Bei der Eröffnung des Hausärztetages macht sich SPD-Politiker Karl Lauterbach für eine Abschaffung des Regresswesens stark, CDU-Politiker Karl-Josef Laumann sieht die Hausärzte in den KVen von den Fachärzten tyrannisiert.

Von Cornelius Heyer

BERLIN. Die aktuelle politische Situation spiegelte sich im Kleinen auf der Eröffnungsveranstaltung des Deutschen Hausärztetages am Mittwoch. Der scheidende Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr von der FDP hatte kurzfristig abgesagt.

Stattdessen saß Hausärztechef Ulrich Weigeldt im Tipi am Kanzleramt zwischen Professor Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD, und Karl-Josef Laumann, der für die CDU fünf Jahre lang Gesundheitsminister in NRW war.

Für beide hatten die versammelten Hausärzte viel Applaus. Lauterbach lobte die hausarztzentrierte Versorgung (HZV), die einen "wesentlichen Beitrag" zur Kostensenkung im Gesundheitswesen darstelle. Außerdem erklärte er, sich für die Abschaffung des Regresswesens einsetzen zu wollen - "in welcher Funktion auch immer".

Starkes Signal

CDU-Politiker Laumann stieß ins gleiche Horn. Ohne eine ausreichende Zahl an Hausärzten sei das Gesundheitssystem nicht funktionsfähig, erklärte er. Der Hausarztmangel auf dem Lande sei bereits heute ein großes Problem.

Als er dann auch noch ausrief: "Die KVen tyrannisieren mit ihrer Fachärzte-Mehrheit die Hausärzte!", war ihm donnernder Applaus sicher. Die Verhältnisse im Körperschaftssystem müssten besser "austariert" werden.

Sowohl Lauterbach als auch Laumann bekräftigten damit Positionen, die sie bereits seit Jahren vertreten. Unmittelbar nach der Bundestagswahl kann man ihre Äußerungen trotzdem als starkes Signal auffassen.

Verbandschef Weigeldt blieb denn auch nichts, als sich augenzwinkernd zu wünschen, dass seine beiden Gäste möglichst schnell eine große Koalition bilden mögen.

"Es bliebe dann nur noch zu klären, wie genau es mit der HZV weitergeht", fügte er hinzu. Von einer möglichen großen Koalition, auch daran erinnerte Weigeldt, seien ja nur SPD und CSU für die Abschaffung der Refinanzierungspflicht.

Am Beispiel NRW, wo momentan sehr niedrige Regelleistungsvolumina gelten, verdeutlichte Weigeldt seine Kritik am KV-System: "Hier ist man bei der Abrechnung jahrelang konservativ mit den Punkten umgegangen und hat dann bei der RLV-Reform einfach Pech gehabt."

Diese Unwägbarkeit ziehe sich durch alle Bereiche der körperschaftlichen Honorarverteilung.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Darum will Maria Rehborn unbedingt Landärztin werden

Studentin Maria Rehborn möchte Landärztin werden in den Bergen werden – ein Portrait. mehr »

Welches Wasser in die Nasendusche?

In unserem Trinkwasser tummeln sich viele Erreger. Forscher haben nun getestet, mit welcher Methode Nasenduschen-Wasser behandelt werden sollte, um diese abzutöten. mehr »

Die Rückkehr des Badearztes

Eine Medizinerin bringt die Region Wiesbaden ins Schwitzen: als einzige Badeärztin der Gegend. Der "Ärzte Zeitung" erklärt sie, warum sie Treppen steigen lässt statt eines EKGs – und wie sie 75 Patienten an ihrer Zunge erkannte. mehr »