Ärzte Zeitung online, 15.10.2013

Sachsen-Anhalt

Erste Traumaambulanz für junge Gewaltopfer

Pilotprojekt in Magdeburg soll Kindern und Jugendlichen helfen, Misshandlungen und sexuellen Missbrauch zu verarbeiten, um psychische Folgeschäden zu verhindern.

MAGDEBURG. Sachsen-Anhalts erste Traumaambulanz für Kinder und Jugendliche, die Opfer von Gewalt wurden, steht für schnelle und professionelle Hilfe.

Das Pilotprojekt der Universitätsklinik, des Klinikums Magdeburg, des Landesgesundheitsministeriums sowie des Landesverwaltungsamtes startete Anfang Oktober.

Unfälle, körperliche Misshandlungen oder sexueller Missbrauch gehen an Betroffenen, aber auch Zeugen, meistens nicht spurlos vorüber.

"Besonders Kinder und Jugendliche, die so Unfassbares erleben, sind oft ein ganzes Leben lang gezeichnet", so Professor Dr. Hans-Henning Flechtner, Chefarzt der Uniklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, die am Klinikum Magdeburg etabliert ist.

Vom Land finanziert

"Wir wollen helfen, das Erlebte zu verarbeiten, um psychische Folgeschäden zu verhindern. Zu Flechtners Team gehören auf Traumatherapie spezialisierte Ärzte, Psychologen, Psychotherapeuten und Sozialarbeiter.

"Die Traumatherapie", so der Chefarzt, "gehört seit langem zu unserem Leistungsspektrum. Viele Betroffene sind leider in der Vergangenheit erst zu spät zu uns gekommen."

Das lag auch an zum Teil sehr langen Antragsverfahren auf Kostenübernahme. Die Traumaambulanz, die vom Land finanziert wird, garantiert kurzfristige Termine. Vorgesehen sind zunächst fünf probatorische Sitzungen, in denen das weitere Vorgehen geklärt wird.

Studien zufolge kann ein frühzeitiges fachkompetentes Eingreifen eine Manifestierung psychischer Störungen verhindern. Gesundheitsminister Norbert Bischoff sicherte zu, das Projekt bei erfolgreichem Verlauf auf Erwachsene auszudehnen. (zie)

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