Ärzte Zeitung, 27.11.2013
 

Armut in Deutschland

Gesundheit wird ungleicher

Der "Datenreport" kann wie ein Sozialatlas der Republik gelesen werden - mit düsteren Aussichten: Denn die Gesundheitschancen sind wohl ziemlch ungleich verteilt.

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Arm dran: Für die Gesundheit kein gutes Omen.

© Paul Zinken / dpa

BERLIN. Armut vernichtet Lebenschancen und geht mit einem höheren Mortalitätsrisiko als bei finanziell bessergestellten Personen einher. Darauf weisen das Statistische Bundesamt und das Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) im neuen "Datenreport" hin, der am Dienstag in Berlin vorgestellt worden ist.

Nach Angaben der Statistiker hat der Anteil armutsgefährdeter Menschen in Deutschland seit 2007 zugenommen. Damals betrug deren Anteil 15,2 Prozent, im Jahr 2011 sind es 16,1 Prozent gewesen. Als arm galt, wer 2011 über weniger als 980 Euro im Monat verfügte.

Offenbar ist binnen einer Dekade Armut zu einer Falle geworden, der die Betroffenen immer schwer entkommen können. Im Jahr 2011 sind 40 Prozent der armutsgefährdeten Personen bereits in den letzten fünf Jahren arm gewesen. Im Jahr 2000 traf dies lediglich auf 27 Prozent der Betroffenen zu.

Knapp 70 Prozent derer, die als arm definiert werden, sind arbeitslos (2007: 56,8 Prozent). Die Quote der armutsgefährdeten Personen, die erwerbstätig sind, ist leicht auf 7,8 Prozent (2007: 7,2 Prozent) gestiegen.

Nach Angaben des WZB haben Frauen und Männer, deren Einkommen unter der Armutsgrenze liegt, ein 2,7-fach (Männer) und 2,4-fach (Frauen) erhöhtes Mortalitätsrisiko. Der Unterschied in der mittleren Lebenserwartung bei Geburt beträgt zwischen Männern der niedrigen und der hohen Einkommensgruppe fast elf Jahre, so das WZB. Bei Frauen beläuft sich die Differenz auf acht Jahre.

Der Anteil der Menschen zwischen 30 und 64 Jahren mit geringem Einkommen, die ihren Gesundheitszustand als "weniger gut" oder "schlecht" einschätzen, hat zugenommen. 26,6 Prozent der Männer mit weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens haben in der Befragungsperiode 1994/98 ihren Gesundheitszustand als negativ eingeschätzt.

Dieser Anteil ist den jüngsten Befragungen zu Folge auf 32,1 Prozent gestiegen. Ähnlich verlief die Entwicklung bei Frauen. Gesundheitliche Ungleichheiten, so das Fazit im "Datenreport", haben in den vergangenen 20 Jahren zugenommen. (fst)

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