Ärzte Zeitung, 10.01.2014

Sucht

1,77 Millionen hängen an der Flasche

Das aktuelle Suchtsurvey illustriert die hohe Zahl an Suchtkranken in Deutschland - seien die Drogen legal oder illegal.

BERLIN. Neue Zahlen für das Jahr 2012 belegen den hohen Ge- und Missbrauch von legalen und illegalen Drogen in Deutschland.

Das geht aus dem kürzlich veröffentlichten Epidemiologischen Suchtsurvey 2012 hervor, der vom Institut für Therapieforschung (IFT) in München erstellt und vom Bundesgesundheitsministerium finanziert wird (SUCHT, 59 (6), 2013, 321f.)

Im Jahr 2012 galten demnach 1,77 Millionen Menschen als alkoholabhängig. Zugrunde gelegt sind die Kriterien des DSM-IV, ein weithin genutztes System zur Klassifikation psychischer Störungen.

Als Stärken des Suchtsurveys gelten die detaillierte Erfassung des Konsumverhaltens sowie die Stichprobe mit bundesweit mehr als 9000 Befragten zwischen 18 und 64 Jahren. Bei 7,4 Millionen Menschen gehen die Forscher von einem riskanten Alkoholkonsum aus.

Fast 5,6 Millionen Erwachsene seien tabakabhängig, heißt es weiter. Abhängigkeit von Cannabis, Kokain oder Amphetaminen wird bei 319.000 Erwachsenen angenommen.

Ärzte sollen früh intervenieren

Aus Sicht von Harald Terpe, Sprecher für Drogen- und Suchtpolitik der Grünen im Bundestag, sind die Zahlen eine Quittung für die "untätige Sucht- und Drogenpolitik der letzten vier Jahre". Seit 2006 sei die Zahl der Alkoholabhängigen von 1,3 auf 1,77 Millionen gestiegen (+ 36 Prozent).

Die der Medikamentenabhängigen habe sogar um 53 Prozent auf 2,3 Millionen zugenommen. Terpe forderte, Ärzte sollten bei Verdacht auf Suchtprobleme früher intervenieren, Therapieanträge müssten schneller genehmigt werden.

Der Arzt und Abgeordnete sprach sich darüber hinaus dafür aus, Raucherentwöhnung solle als gesetzliche Leistung der Krankenkassen anerkannt werden. Terpe forderte, der neue Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) solle dem Thema Suchtprävention und -therapie "mehr Energie als sein Vorgänger widmen". (fst)

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