Ärzte Zeitung, 17.02.2016

Kommunal und konfessionell - das kann zusammenpassen

Viele Krankenhäuser schreiben rote Zahlen. Abhilfe können Kooperationen auf einzelnen Gebieten oder trägerübergreifende Zusammenschlüsse schaffen - das zeigen Beispiele.

Von Ilse Schlingensiepen

MÜNSTER. Um dem zunehmenden wirtschaftlichen Druck gewachsen zu sein, werden die Kliniken künftig die verschiedensten Formen der Zusammenarbeit austesten.

Davon geht Dr. Michael Philippi aus, der Vorstandsvorsitzende der privaten Klinikgruppe Sana. "Ungeachtet von Trägerschaft und Befindlichkeiten werden wir bereit sein, das zu tun, was auch andere Branchen tun: Vernünftige Formen des Zusammenlebens üben, die weit unter der Schwelle des Kaufs liegen", sagte Philippi auf dem Kongress "Gesundheitswirtschaft managen" in Münster.

Fusionen seien nicht die einzige Erfolg versprechende Form der Partnerschaft. Als Beispiel nannte er die schnelle Zunahme der Kooperation von Kliniken bei der kathetergestützten Aortenklappenimplantation (Tavi-Plattformen).

Die Wachstums- und Entwicklungsmöglichkeiten im Klinikmarkt sind nach Philippis Einschätzung begrenzt. Zwar verzeichnen die Krankenhäuser nach wie vor ein kontinuierliches Fallzahlwachstum. "In den vergangenen zehn bis 15 Jahren hatte das aber wenig mit elektiven Eingriffen zu tun."

Das Wachstum sei stark getrieben von Faktoren wie den Notfallaufnahmen. Gleichzeitig drängen viele Kliniken gleichzeitig in die wenigen Bereiche, die sie als lukrativ und zukunftsträchtig ansehen: Kardiologie, Geriatrie, Lungenheilkunde und Neuromedizin.

Wettbewerb in Ballungsräumen steigt

Der Sana-Chef geht davon aus, dass künftig in der Fläche die Fallzahlen sinken oder bestenfalls stagnieren werden, während der Wettbewerbsdruck in Ballungsräumen steigen wird. Die Kliniken werden sich einem steigenden Investitionsbedarf bei stagnierenden Mitteln gegenüber sehen sowie der Herausforderung, qualifiziertes Personal zu finden und zu binden.

 "Das alles ist aus Sicht des einzelnen Krankenhauses auf Dauer nicht zu bewältigen." Das kann ein Treiber für die Suche nach Partnern sein. Zum Erfolg wird eine Partnerschaft nach seiner Erfahrung nur, wenn durch sie die medizinisch-pflegerische Wettbewerbsfähigkeit gestärkt wird. "Die Realisierung der Potenziale hängt von der Schnelligkeit ab, mit der man das Medizingeschäft stabilisieren kann."

Bei der Fusion von Kliniken muss die unterschiedliche Trägerschaft kein Hindernis sein, sagte Clemens Maurer, Geschäftsführer des Klinikums Darmstadt.

Die Klinik ist in kommunaler Trägerschaft, bekommt aber keine Zuschüsse von der Stadt. "Wir als Management haben die Macht, das Haus zu verändern, ohne auf jede politische Zuckung und jedes Naserümpfen Rücksicht nehmen zu müssen."

Das Klinikum Darmstadt hat im vergangenen Jahr das Marienhospital in Darmstadt und das St.-Rochus-Krankenhaus in Dieburg übernommen. Das Klinikum hat jetzt fast 1150 Betten und rund 3000 Mitarbeiter.

Die beiden katholischen Häuser wären allein wirtschaftlich nicht überlebensfähig gewesen, berichtete er. Sie hätten in der Region aber ein sehr gutes Image. Das Klinikum Darmstadt habe sich deshalb dagegen entschieden, sie zu integrieren. "Wir haben sie als Tochtergesellschaften aufgestellt, damit sie ihr Profil nicht verlieren."

Breiteres Angebot durch Übernahme

Die kommunale Klinik habe von der Übernahme der katholischen Häuser profitiert, sagte Maurer. "Sie hat bei uns eine Diskussion darüber ausgelöst, wo wir als Gesamtheit hin wollen." Zudem könne man den Bürgern durch die "verschiedenen empathischen Qualitäten" ein breiteres Angebot bieten.

Das Klinikum werde zunehmend als der Maximalversorger in der Region wahrgenommen, so der Geschäftsführer. "Man traut uns inzwischen zu, auch die rechts und links liegenden Kreiskliniken einzubinden."

Kommunale und konfessionelle Häuser können also zusammenpassen. "Aber wenn das kommunale Haus in die Übernahme geht, muss es gesund sein, sonst wird es nicht funktionieren", betonte Maurer.

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