Ärzte Zeitung online, 01.07.2016

Überschuldung

Gesundheitliche Probleme häufig der Auslöser

In den Schuldnerberatungsstellen waren alleinerziehende Mütter und Single-Männer 2015 überproportional häufig anzutreffen.

WIESBADEN. Gesundheitliche Probleme rangierten 2015 auf der Ursachenliste für Überschuldung an zweiter Stelle hinter Arbeitsplatzverlust.

Das geht aus neuesten Zahlen hervor, die das Statistische Bundesamt am Freitag veröffentlicht hat.

Die Erhebung basiert auf Angaben von 410 der bundesweit rund 1400 Schuldnerberatungsstellen, heißt es. Sie hätten anonymisierte Daten von rund 113.000 Personen geliefert.

Demnach war für fast ein Fünftel (19 Prozent) derjenigen, die 2015 eine Beratung begonnen hatten, Arbeitsplatzverlust "der Hauptauslöser für die Überschuldungssituation", so das Bundesamt. Krankheit war für 15 Prozent der hauptsächliche Grund ihrer finanziellen Misere.

An dritter Stelle folgt Trennung, Scheidung oder Tod des Partners; dadurch seien vergangenes Jahr 14 Prozent der Schuldnerberatungen veranlasst gewesen.

Knapp jeder dritte Betroffene ist ein Single-Mann

Dagegen ließ sich maßloses Konsumverhalten "lediglich in elf Prozent aller Fälle" als Hauptgrund für die Beratung feststellen.

Und bei sieben Prozent der beratenen Personen ließen sich die wirtschaftlichen Probleme durch dauerhaft zu geringes Einkommen begründen.

Allein lebende Männer und alleinerziehende Mütter sind die am stärksten von Überschuldung betroffene Bevölkerungsgruppe: Bei 30 Prozent der in die Überschuldungsstatistik eingegangenen Stichprobe handelte es sich den Angaben zufolge um Single-Männer.

"Im Vergleich zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung (18 Prozent) waren sie stark überrepräsentiert".

Noch eklatanter sieht die Situation für alleinerziehende Mütter aus. Sie machten 14 Prozent der beratenen Personen aus bei einem Bevölkerungsanteil von lediglich sechs Prozent.

Dagegen sind kinderlose Paare vergleichsweise seltener überschuldet. Sie hatten 13 Prozent Anteil an der Stichprobe aus 2015 während ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung mehr als doppelt so hoch ausfiel (28 Prozent). (cw)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[04.07.2016, 11:48:20]
Heidemarie Heubach 
Diese Ergebnisse haben politische Ursachen!
Nach jahrzehntelangen Gesetzes-"Reformen" für - gesellschaftlich unerwünschte - Alleinerziehende und beim Abbau des Arbeitnehmer-Kündigungsschutzes liegen die "Erfolge" jetzt bewiesen auf der Hand.
Armes Deutschland!! - "Einer trage des anderen Last"? Nein, Solidarität und Gemeinschaftsdenken politisch abgebaut, christlich handeln - Fehlanzeige! zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchester bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »

Wird die Apple Watch zum Herzrhythmus-Monitor?

Die neue Smartwatch von Apple verfügt über einen EKG-Sensor. Über eine weitere App erkennt sie Vorhofflimmern. Wie sehen mögliche Einsatzszenarien aus? mehr »

Abtreibungsgegner darf Ärzte nicht Mörder nennen

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat einem katholischen Abtreibungsgegner Grenzen für Kritik an Ärzten aufgezeigt, die Schwangerschaftsabbrüche anbieten. mehr »