Ärzte Zeitung, 09.11.2016
 

Stiftung gegründet

Notfallmedizin erhält ein neues Werkzeug

Eine neu gegründete Stiftung will die Akutmedizin verbessern. Erster Baustein ist eine Patientenakte – die bewusst nicht digital gestaltet wurde.

Von Julia Frisch

BERLIN. Eine kleine Patientenakte ist das erste Projekt der am Dienstag offiziell gegründeten "Deutschen Stiftung Akut- und Notfallmedizin". In ihr sollen Ärzte Diagnosen, Behandlungen und Medikamente eintragen – jedoch nicht elektronisch, sondern analog.

Dabei sei es für Ärzte auch keine Pflicht, Eintragungen in der kleinen Patientenakte vorzunehmen, versicherte Stiftungsgeschäftsführerin Jana Hassel bei einem Pressegespräch in Berlin.

Bei vielen Medizinern sei sicher noch Überzeugungsarbeit zu leisten, dass das Übertragen von Befunden oder Verschreibungen in das kleine Heft sinnvoll sei. Man erwarte aber, dass die kleine Patientenakte "so ein gutes Tool ist, dass es sich durchsetzt", so Hassel.

In das Heft, das bei der Stiftung gegen eine Schutzgebühr erhältlich ist, können Ärzte auf Wunsch ihrer Patienten Angaben zu Behandlungen, Klinikaufenthalten, zu Allergien, Medikamenten oder Implantaten machen. Damit sollen die Besitzer der Akte schnell und strukturiert den jeweiligen Arzt über ihre Krankheitsgeschichte informieren können.

Das, so die Deutsche Stiftung für Akut- und Notfallmedizin, sei gerade im Notfall wichtig. Die Weitergabe medizinischer Daten funktioniere häufig nicht einmal innerhalb einer Klinik. Zwischen ambulant tätigen Ärzten und Notaufnahmen sei es um den Informationsfluss erst recht schlecht bestellt.

Die Akte sei dabei bewusst in Papierform gehalten. Auf eine elektronische Variante sei wegen der Vorbehalte in der Ärzteschaft gegen die elektronische Gesundheitskarte und um Probleme mit dem Datenschutz zu umgehen verzichtet worden, so Jana Hassel.

Die Stiftung, die am Dienstag offiziell gegründet wurde, hat sich die Verbesserung der Akut- und Notfallmedizin auf die Fahne geschrieben. "Dazu wollen wir alle Beteiligten, Notaufnahmen, niedergelassene Ärzte, Fachgesellschaften und Patienten, zusammenbringen, um die Strukturen weiterzuentwickeln", sagte Professor Christian Wrede, Präsident der Stiftung.

Im Fokus der Arbeit steht vor allem die Überwindung der Sektorengrenzen im Bereich der Akut- und Notfallmedizin, um Patienten überall eine Versorgung auf bestmöglichem Niveau zu ermöglichen. Daneben will die Deutsche Stiftung Akut- und Notfallmedizin auch die Versorgungsforschung unterstützen, Fortbildungen organisieren und die öffentliche Debatte befeuern.

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