Ärzte Zeitung, 10.11.2016
 

Blankoverordnung

Grüne fordern mehr Rechte für Therapeuten

Die Grünen wollen die Blankoverordnung zügig in die Regelversorgung einführen.

BERLIN. Die Grünen machen Druck bei der Blankoverordnung. Die soll nach Ansicht der Grünen "zügig in die Regelversorgung" übernommen werden. Sie fordern einen "mutigen Ausbau der Kompetenzen von Physiotherapeuten, Logopäden und weiteren Heilmittelerbringern".

Die im Entwurf der Bundesregierung für ein Gesetz zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung (HHVG) enthaltenen Regelungen seien nicht ausreichend, heißt es nun in einem Antrag einer Gruppe von Abgeordneten an den Bundestag, der der "Ärzte Zeitung" vorliegt.

"Mit unserem Antrag fordern wir, die Blankoverordnung in die Regelversorgung zu überführen. Das bedeutet, Ärzte bestimmen nur noch die Notwendigkeit einer therapeutischen Behandlung. Physiotherapeuten, Ergotherapeuten oder Logopäden jedoch bestimmen Art, Dauer und Frequenz", sagte die zuständige Sprecherin der Fraktion Elisabeth Scharfenberg am Mittwoch der "Ärzte Zeitung".

Die Intentionen der Grünen reichen aber noch weiter. In Modellversuchen solle auch der Direktzugang von Patienten zu Therapeuten ganz ohne ärztliche Verordnung erprobt werden, kündigte Scharfenberg an. Dies fordert auch der Bundesrat.

Die AG "Gesundheit" der CDU/CSU-Fraktion hatte in einem Positionspapier vom letzten Jahr vergleichbare Forderungen gestellt. Die Christdemokraten seien inzwischen aber in der Koalition eingeknickt, sagte Scharfenberg.

Die Bedeutung von Heilmittelleistungen steigt. Laut Statistischem Bundesamt waren 2013 in Deutschland 222.000 Physiotherapeuten, Masseure und medizinische Bademeister tätig. Die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung sind von 2010 und 2014 von 4,61 Milliarden auf 5,69 Milliarden Euro und damit um 23,4 Prozent gestiegen. (af)

[10.11.2016, 16:54:17]
Birgit Grundies 
Endlich eine Qualitätsinitiative!
leider spricht aus dem Kommentar von Herrn Künzel eine große Portion Uninformiertheit gepaart mit -nun ja - wohl abschätzigen Ansichten über die Arbeit von Physiotherapeuten.
Wir haben es in unseren Praxen nicht mit 'Rezeptjägern'zu tun, die vorher die Sprechstunde ihres Arztes/in verstopfen, sondern mit Patienten, die oft nur mit größter Mühe physiotherapeutische Behandlungen bekommen, die ihnen - im genau festgelegten Umfang - nach dem Heilmittelkatalog eigentlich zuständen!
Wir sind froh, daß es nun endlich auch auf politischer Ebene Initiativen gibt, die es den Therpeuten erlaubt, statt der irrwitzigen 15 Minuten Standardbehandlung das zu tun, was therapeutisch wirklich sinnvoll und maßgeschneidert ist.
Daneben können Sie die Kollegen, die eine (sektorale) HP Prüfung haben mit der Lupe suchen. Allerdings sind die wenigen Kurse, die dafür qualifizieren, immer sofort ausgebucht. Warum wohl...nicht weil es um 'legale Schlupflöcher ' geht, sondern den Wunsch, all das was wir gelernt haben auch wirklich an den Patienten bringen zu können.
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[10.11.2016, 13:11:13]
Robert Künzel 
Hätte kein Problem damit, denn.....
die Realität sieht doch heute schon so aus, daß ein Großteil der HM-Erbringer die (legalen) Schlupflöcher nutzt, die das völlig obsolete Heilpraktikergesetz bietet und besorgt sich eine (sektorale) HP-Zulassung. Die besonders heilmittelaffinen Patienten erhalten dann eine Rechnung nach GebüH, schliessen eine preiswerte Zusatzversicherung ab, die HP-Leistungen abdeckt und das Ganze läuft jetzt schon völlig ohne Arztbeteiligung ab.

Zumindest trägt in dieser Konstellation auch die therapeut. und wirtschaftliche Gesamtverantwortung der Heilpraktiker.
Wenigstens "verstopfen" solche HM-Rezeptjäger dann auch nicht mehr die ärztlichen Wartezimmer. Welch ein Segen ! zum Beitrag »

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