Ärzte Zeitung, 01.12.2016

Zentren

Warnung vor Etikettenschwindel

Wenn Spitzenleistungen in Zentren gebündelt werden, muss auch die Qualität stimmen, fordert der Patientenbeauftragte der Bundesregierung.

DÜSSELDORF. Angesichts des rasanten medizinischen Fortschritts ist es richtig, Spitzenleistungen in spezialisierten Zentren zu bündeln. Dann muss aber auch genau darüber gewacht werden, dass die Zentren keinen Etikettenschwindel betreiben und die Qualität liefern, die Patienten von ihnen erwarten. Das fordert der Patientenbeauftragte der Bundesregierung Karl-Josef Laumann. "Es gibt heute einfach zu viele Schwerpunktsetzungen in Kliniken, bei denen die Strukturen den Schwerpunkten nicht entsprechen", sagte Laumann auf dem Medica Econ Forum der Techniker Krankenkasse in Düsseldorf. Er begrüßte, dass Qualitätsstandards künftig zum Instrument der Krankenhausplanung werden sollen. Das wird zu einer Veränderung der Landschaft führen, erwartet er.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen habe mit der Nutzenbewertung für Arzneimittel viel Qualität, Transparenz und Frieden in diesen Bereich gebracht. Etwas Vergleichbares sei auch mit Blick auf die Strukturqualität der Kliniken notwendig – wenn auch sehr kompliziert. Klar ist für ihn, dass das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen, das Qualitätsindikatoren für Kliniken erarbeitet, keine einfache Aufgabe hat. Für die Bewertung der Klinik-Qualität brauche man objektive, gerichtsfeste Kriterien: "Das stelle ich mir sehr anspruchsvoll vor."

Der Patientenbeauftragte kritisierte, dass die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) im Krankenhausstrukturgesetz lange Übergangszeiten ausgehandelt habe, bevor Kliniken oder Abteilungen bei nicht ausreichender Qualität aus dem Krankenhausplan genommen werden. "Das ist kein Ruhmesblatt für die DKG." Patientenschutz sollte Priorität vor den wirtschaftlichen Belangen von Kliniken haben, betonte er.

Laumann sieht hier auch die Aufsicht in der Pflicht. Sie müsse sehr deutlich machen, wie es um die Qualität in den Krankenhäusern bestellt ist. Die Landesregierungen sollten Qualitätsstandards in den Krankenhausplan aufnehmen und auch Mut haben, sie durchzusetzen, forderte er.

Das Beispiel der Versorgung von Frühgeborenen zeigt in seinen Augen, wie wichtig die Bündelung von Kompetenzen ist. Die Umsetzung der Vorgabe, dass für jedes Frühgeborene eine Intensivpflegekraft zur Verfügung stehen muss, scheitere daran, dass viele Kliniken sie nicht umsetzen können. "Ich glaube, dass wir viel zu viele Krankenhäuser haben, die sich um dieses Thema kümmern", sagte Laumann. Deshalb sei es wichtig, solche Dinge an Zentren zu konzentrieren, an denen Technik und Fachpersonal in ausreichendem Maß zur Verfügung stehen. (iss)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Neue Hoffnung auf wirksame Alzheimer-Therapie

Lässt sich der Krankheitsverlauf bei Alzheimer mittels Antikörper doch bremsen? Erstmals deutet sich ein solcher Erfolg in einer größeren Studie an. Das weckt Hoffnungen. mehr »

Was die Datenschutz-Folgenabschätzung ist

Praxen, Kliniken und MVZ, die in großem Stil Patientendaten verarbeiten, müssen laut DSGVO eine Datenschutz-Folgenabschätzung absolvieren. Medizinrechtler erläutern, wie das geht und was das überhaupt ist. mehr »

Tele-Hausarzt horcht aus der Ferne ab

Dr. Rafael Walocha betreut als Tele-Hausarzt Bewohner eines Pflegeheims per Video. Dabei kann er die Patienten sogar elektronisch auskultieren. Arzt und Patienten sind begeistert. mehr »