Ärzte Zeitung, 24.02.2017
 

Deutschland-Grafik

So hoch ist der Diabetiker-Anteil in den Bundesländern

BERLIN. In Deutschland leben mehr Menschen mit Diabetes als bisher geschätzt: Inzwischen leidet rund jeder zehnte GKV-versicherte Bundesbürger an Diabetes, heißt es in einer Analyse für den Versorgungsatlas, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Danach ist der Anteil der Diabetiker zwischen 2009 und 2015 von 8,9 auf 9,8 Prozent gestiegen. Bisherige Schätzungen gingen von sieben bis neun Prozent Diabetikern aus.

Nun wissen es die Forscher ganz genau, denn in die Analyse flossen die anonymisierten Daten von rund 70 Millionen Kassenpatienten ein. "Neben einem altersbedingten Effekt geht der Zuwachs wahrscheinlich auch auf die Lebensweise zurück", sagte Studienautor Benjamin Goffrier. Auffallend ist, dass in Ostdeutschland deutlich mehr Menschen (11,8 Prozent) an Diabetes erkranken als im Westen (9,2 Prozent). Eine mögliche Erklärung dafür sei, dass im Osten die Einkommen im Mittel niedriger und die Arbeitslosigkeit höher seien, sagte Goffrier. Bei einem schlechteren sozialen Status sei oft auch die Gesundheitsbildung nicht so hoch.

"Es kann aber auch sein, dass Menschen dort drei Jobs haben - und einfach keine Zeit, sich gesund zu ernähren und ausreichend zu bewegen", ergänzte der Wissenschaftler. Dazu sei Ostdeutschland stärker ländlich geprägt. Das könne eine andere Ernährungstradition bedeuten - zum Beispiel mehr Fleisch oder je nach Region auch mehr frittierte Gerichte. In allen Altersgruppen erkranken Männer deutlich häufiger an Diabetes als Frauen.

 Zuwächse gab es nicht mehr allein ab 65 Jahren. Einen überproportionalen Anstieg beobachten die Forscher seit 2009 auch bei jüngeren Erwachsenen. Nach der neuen Analyse kommen jedes Jahr rund eine halbe Million neue Typ-2-Diabetiker hinzu. "Früher war es eine Krankheit der Reichen, weil nur sie sich zucker- und fetthaltige Lebensmittel in großen Mengen leisten konnten", sagte Goffrier.

In den Industrieländern habe sich die Lage nun aber umgedreht: Menschen mit gutem Einkommen und Bildung achteten oft besonders stark auf eine gesunde Ernährung. Die sozial Schwächeren griffen im Supermarkt eher zu ungesünderen Fertigprodukten und Fast Food.

Dieser Effekt spiegelt sich in den Regionen wieder. Im Kreis Starnberg bei München, einer der wohlhabendsten Gegenden der Republik, leben die wenigsten Diabetiker (6,5 Prozent). In der strukturschwachen brandenburgischen Prignitz gibt es die meisten - mit 14,2 Prozent sogar mehr als doppelt so viele.

Neben Ostdeutschland ließen sich Unterschiede auch an den überdurchschnittlich hohen "Zucker"-Zahlen für das Saarland (10,8 Prozent) ablesen, sagte Studienautor Goffrier. Berlin folgt mit 10,4 Prozent. Die wenigsten Zuckerkranken gibt es in Schleswig-Holstein (8,3 Prozent), Baden-Württemberg (8,53) Prozent) und Hamburg (8,54 Prozent).

In der Liste der Volkskrankheiten in Deutschland rangiert Diabetes nach Angaben des Robert Koch-Instituts in Berlin auf dem fünften Rang. An der Spitze liegen weiter Herzkreislauf- und Krebserkrankungen. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »