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Ärzte Zeitung online, 20.03.2017

Schleswig-Holstein

Fördergeld für Arztpraxis in Wacken

Wacken ist mit seinem Open-Air-Festival bundesweit bekannt. Jetzt erhält der Ort einen hohen Zuschuss, um die ambulante ärztliche Versorgung auf Vordermann zu bringen.

Von Dirk Schnack

WACKEN. Drei Standorte in Schleswig-Holstein stärken ihre ambulante ärztliche Versorgung mit Fördermitteln aus Bund und Land mit sechsstelligen Beträgen. Die Standorte verbessern damit auch die Bedingungen für die Arbeit der vor Ort niedergelassenen Ärzte.

Dass über ein Programm mit dem Titel "Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz" auch die ambulante ärztliche Versorgung gestärkt werden könnte, hatten vier von insgesamt 15 Antragstellern im Sinn – drei erfüllten die Förderbedingungen. Ziel des Programms ist die Verbesserung der Grundversorgung für die ländliche Bevölkerung – und dazu zählt für Schleswig-Holsteins Minister für die ländlichen Räume Robert Habeck (Grüne) auch die ärztliche Versorgung.

Vor wenigen Tagen überreichte er deshalb einen Förderbescheid an die Gemeinde Wacken im Kreis Steinburg, die wegen ihres jährlichen Open Air-Festivals bundesweit bekannt ist. In Wacken leben rund 1900 Einwohner, die früher von einer Doppelpraxis und bis Jahresende noch von einem der Partner aus der Doppelpraxis versorgt wurden. Nach längerer Suche hatte die Gemeinde zwar eine Hausärztin aus München für Wacken interessieren können, diese will aber nicht dauerhaft in der zu großen und nicht mehr bedarfsgerechten Praxis der Vorgänger arbeiten.

Die Gemeinde plant deshalb einen Neubau der Arztpraxis, die in einen Wohnpark mit Tagespflegestation und Pflegedienstbüro integriert wird. Der Zuschnitt der Räume wurde nach Vorstellungen der Ärztin vorgenommen. Die Gemeinde tritt dann als Vermieter für die Ärztin auf. Das Investitionsvolumen in Höhe von 571 000 Euro hätte die Gemeinde alleine nicht stemmen können – mit der Förderung in Höhe von 428.000 Euro wird das nach Auskunft von Bürgermeister Axel Kunkel nun kein Problem sein.

Habeck hält die gemeinsame Entwicklung der Arztpraxis in Kombination mit dem Standort im Wohnpark für ältere Menschen für beispielhaft. "Wacken hat alles richtig gemacht", sagte Habeck bei der Übergabe des Förderbescheids. Dass Gemeinden die Mittel aus dem Sonderprogramm für die Stärkung ihrer ambulanten ärztlichen Versorgung nutzen, begrüßte er.

Neben Wacken erhält auch Büsum eine sechsstellige Summe. Der Urlaubsort an der Nordsee will damit sein erst kürzlich errichtetes kommunales Ärztezentrum um Schulungsräume für Patienten und Selbsthilfegruppen erweitern. Der DRK Kreisverband Herzogtum-Lauenburg erhält Fördermittel für ein Konzept, bei dem eine Hausarztpraxis in eine Seniorengemeinschaftseinrichtung integriert wird. Insgesamt waren mehr als 1,5 Millionen Euro im Topf des Sonderprogramms, das zu 60 Prozent vom Bund und zu 40 Prozent vom Land gespeist wurde.

Die Fördermittel sind nicht zu verwechseln mit finanzieller Unterstützung der niederlassungswilligen Ärzte selbst. Solche Unterstützung gibt es in Bundesländern mit unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten Regionen und kommt vom Bundesland, den Gemeinden oder den KVen. Je nach Region sind dabei sechsstellige Beträge für den Start in die Niederlassung möglich. In Schleswig-Holstein gibt es solche Starthilfen nicht. Die KV lehnt einen Wettlauf um Fördermittel für Niederlassungen ab.

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