Ärzte Zeitung online, 05.05.2017

Bayerisches Gesundheitsforum

Sogar Korporatisten singen das Lied vom Wettbewerb

Round Table beim Bayerischen Gesundheitsforum: Selbst Vertreter von Monopolorganisationen wie KBV und GBA rühmen Vorzüge des Wettbewerbs.

Von Jürgen Stoschek

MÜNCHEN. Wettbewerb im Gesundheitswesen kann nur ein Wettbewerb um die beste Versorgung für die Patienten sein. Darin waren sich die Teilnehmer einer Round-Table Diskussion beim Bayerischen Gesundheitsforum 2017 in München einig. So billig wie möglich dürfe dabei nicht das Motto sein, sagte die Hausärztin Dr. Petra Reis-Berkowicz, Vorsitzende der KBV-Vertreterversammlung.

Dass es in Deutschland eine gleich gute Versorgung für alle unabhängig von Status und Einkommen gibt, sei ein wichtiges Merkmal unseres Gesundheitswesens, erklärte Reis-Berkowicz. Wettbewerb um eine Verbesserung der Versorgung über Selektivverträge seien ein Segen. Was sich in Selektivverträgen als positiv erweist, könne in die Kollektivversorgung übernommen werden. "Das ist Wettbewerb in einem guten Sinn."

Eine Absage erteilte Reis-Berkowicz der Bürgerversicherung. Damit würde der Weg in eine Staatsmedizin geebnet, an dessen Ende eine Einheitsversicherung stünde.

Bei einem Wettbewerb um die beste Versorgung müssten alle Beteiligten mitmachen, erklärte die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes forschender Pharma-Unternehmen (vfa), Birgit Fischer. Sie kritisierte, dass für einen hohen Anteil neuer Arzneimittel kein Zusatznutzen habe anerkannt werden können, weil der Zeitpunkt für die Bewertung zu früh liege, um geforderte Evidenz zu schaffen. Tatsächlich gebe es aber viel neues Wissen, das riesige Chancen biete. "Wenn wir heute über Pharma reden, dann geht es nicht mehr nur um Arzneimittel", sagte Fischer. Immer öfters gehe es um Gesundheitsziele und um eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Das AMNOG führe "nach wie vor nicht dazu, dass notwendige Arzneimittel nicht auf den Markt kommen", widersprach GBA-Vorsitzender Professor Josef Hecken. Innovationen stünden den Patienten weiterhin zur Verfügung. Und auch wenn ein Hersteller sich entscheide, ein Arzneimittel auf dem deutschen Markt nicht anzubieten ("Opt out"), gebe es immer noch Therapiealternativen. "Also kein Grund zur Panik", sagte Hecken.

Wettbewerb um die beste Versorgung setze voraus, dass Leistungen, auf die in einem solidarischen System alle Versicherten Anspruch haben, gewissen Mindeststandards entsprechen, erklärte Hecken. Pluralität bei Kassen und Leistungserbringern sowie möglichst viele Selektivverträge seien förderlich für den Wettbewerb.

Für den Direktor des PKV-Verbands Dr. Volker Leienbach ist das duale Krankenversicherungssystem ein wichtiger Bestandteil des Wettbewerbs. Die PKV sei häufig "Türöffner für Innovationen" und gewährleiste ein "relativ staatsfernes" Gesundheitssystem, meinte Leienbach.

Dass heute über Wettbewerb im Gesundheitswesen gesprochen wird, sei nicht immer so gewesen, erinnerte der Präsident des Bundeskartellamtes Andreas Mundt. Bisheriger Schwerpunkt seines Amtes sei die Fusionskontrolle im Krankenhausbereich. Bisher hätten lediglich sieben von 250 Überprüfungen zu einer Untersagung geführt. Entscheidungen des Bundeskartellamtes seien meist dann umstritten, wenn kommunale Krankenhäuser beteiligt sind. Aber nicht die Trägerschaft, sondern Auswirkungen auf die Versorgung seien für das Kartellamt relevant.

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