Ärzte Zeitung online, 16.05.2017

Notaufnahme

Lauterbach sieht Gesetzgeber gefordert

Die zwischen KBV und Kliniken umstrittene Notfallversorgung erfordert nach Auffassung des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach rasche Eingriffe des Gesetzgebers.

BERLIN. Den Dauerkonflikt zwischen der KBV und der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) um die Notfallversorgung an Klinikambulanzen und deren Finanzierung hält der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nur durch den Gesetzgeber für lösbar. Dies sei eine Aufgabe, die gleich zu Beginn der neuen Legislaturperiode gelöst werden müsse, sagte er der "Berliner Morgenpost"

Dabei plädiert Lauterbach dafür, den Patienten ein Wahlrecht zu lassen, ob sie den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst oder die nächstgelegene Krankenhausambulanz nutzen. Eine Steuerung von Patientenströmen , hält er für Bevormundung. "Wir brauchen kein Umerziehungsprogramm, sondern mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen." Dazu sei es notwendig, dass für Notfälle, die in den klassenärztlichen Bereitschaftsdiensten oder in Krankenhausambulanzen behandelt werden, die gleichen Honorare gezahlt werden.

Die Krankenhäuser beklagen, dass die Honorare für ambulante Notfallleistungen, die die KVen zahlen, nicht kostendeckend sind. Dem wird vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) entgegengehalten, dass viel zu viele Kliniken Notfallambulanzen unterhalten, deren Kapazitäten nicht ausgelastet seien. Der Marburger Bund hatte jüngst dafür plädiert, für Klinikambulanzen Mindestmengen einzuführen. Er sprach von mindestens 20.000 Fällen pro Jahr. Das dürfte den Krankenhausträgern überhaupt nicht gefallen, für die Notfallaufnahmen auch ein Instrument sind, um stationäre Fälle zu generieren – was immer wichtiger wird, weil die Zahl der gezielt von Vertragsärzten ins Krankenhaus eingewiesener Patienten sinkt.

Gegen Lauterbachs Vorstoß argumentiert ZI-Geschäftsführer Dominik von Stillfried, eine ungesteuerte Inanspruchnahme von Notfallkapazitäten der Kliniken führe "zu einem dramatischen Fehleinsatz knapper Ressourcen". Es bestehe das Risiko von Überdiagnostik und Übertherapie. Stattdessen sollte, wie in einem Konsenspapier der KVen im März dargelegt, für GKV-Versicherte ein telefonisches Beratungsangebot entwickelt werden, mit dem die Dringlichkeit der Behandlung eingeschätzt und der Patient an den richtigen Behandlungsort geleitet werden könne. Das ZI schätzt die schon jetzt vermeidbaren Kosten auf sieben bis zwölf Milliarden Euro. (HL)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

TSVG-Dialog mit offenem Ende

Jens Spahn (CDU) und Vertreter der Ärzteschaft haben beim mit Spannung erwarteten Dialog in Berlin die Klingen gekreuzt. Am Ende blieben Perspektiven für Kompromisse. mehr »

Varizellen-Impfung – ein Segen für Kinder

Seit 2004 wird allen Kindern die Impfung gegen Windpocken empfohlen. Der Schutz ist eine Erfolgsgeschichte: Die Krankheit wurde zurückgedrängt und mögliche schwere Komplikationen werden vermieden. mehr »

So viel Zucker pro Tag darf's sein

Die Auswertung von Fachstudien ist eindeutig genug, um eine konkrete Obergrenze für den täglichen Zuckerkonsum festzulegen. Drei Fachgesellschaften haben sich nun auf eine Menge geeinigt. mehr »