Ärzte Zeitung online, 18.05.2017

Diabetes-Gesellschaft

DDG will starke Anreize für Prävention

Für gesunde Lebensmittel soll keine Mehrwertsteuer mehr erhoben werden, für ungesunde der volle Satz, fordern Diabetes-Experten.

BERLIN. Weil die Zahl der Diabetes-Patienten trotz vieler Aufklärungskampagnen zur Bedeutung von Bewegung und Ernährung für das Erkrankungsrisiko steigt, fordert die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) handfeste Anreize für einen gesunden Lebenswandel. "Man könnte die Mehrwertsteuer bei gesunden Lebensmitteln auf null senken und bei ungesunden Nahrungsmitteln die vollen 19 Prozent ansetzen", sagte DDG-Geschäftsführer Dr. Dietrich Garlichs am Mittwoch in Berlin. Garlichs sprach in diesem Zusammenhang von einer "Zucker-Fett-Salz-Steuer". Erfahrungen aus der Vergangenheit mit der Besteuerung von alkoholhaltigen Limonaden, sogenannten Alkopops, sowie von Tabak sieht er als Beleg für das Erfolgspotenzial einer Verhaltenssteuerung über den Preis.

Folgen für den Nachwuchs

Neue Forschungen unterstreichen die Bedeutung von Prävention, denn ein ungesunder Lebensstil kann auch das Risiko des Nachwuchses erhöhen, krank zu werden. Das berichtete Professorin Annette Schürmann, DDG-Vorstandsmitglied und Sprecherin des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD). "Unsere Forschungen zeigen: Der Lebensstil hat Folgen für die genetische Disposition", sagte sie. "Wir sprechen hier vom jungen Feld der Epigenetik." Versuche mit Mäusen zeigten, dass ein ungesundes Ess- und Bewegungsverhalten Einfluss darauf hat, ob ein bestimmtes Gen mehr oder weniger aktiv ist, erklärte Schürmann. Eine solche Veränderung könne auch das Erkrankungsrisiko des Nachwuchses erhöhen. "Auch bei Menschen, die unter einer Leberverfettung leiden, haben wir in Kooperation mit unseren DZD-Partnern solche Markierungen am Erbgut nachweisen können", sagte sie. "Der Vorteil ist hier, dass sich einige der Veränderungen sogar in Blutzellen wiederfinden, sodass diese zukünftig als diagnostische oder prognostische Marker verwendet werden könnten."

Mehr Geld für Gespräche

Wegen der entscheidenden Bedeutung des Patientengesprächs für eine erfolgreiche Therapie von Diabetes forderte DDG-Präsident Professor Baptist Gallwitz eine bessere Vergütung der sogenannten sprechenden Medizin. Eine erfolgreiche Therapie hänge nicht zuletzt vom individuellen Verhalten der Patienten im Alltag ab, sagte er. "Deshalb ist es wichtig, dem Patienten die richtigen Kenntnisse zu vermitteln", warb er. "Für das Gespräch sollte eine halbe Stunde ein Muss sein." Gallwitz forderte außerdem mehr Lehrstühle für Diabetologie und eine stärkere Verankerung der Vermittlung kommunikativer Fähigkeiten in der Ausbildung. (tau)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchester bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »