Ärzte Zeitung, 20.06.2017

Allianz für Gesundheitskompetenz

Gröhe gibt der "sprechenden Medizin" neuen Schub

Gesundheit als Schulfach, ein Nationales Gesundheitsportal und mehr "sprechende Medizin" in der Arztausbildung: Eine "Allianz für Gesundheitskompetenz" will die Asymmetrien im Verhältnis von Ärzten und Patienten angehen.

Von Anno Fricke

Gröhe gibt der „sprechenden Medizin“ neuen Schub

Mit zahlreichen Vertretern aus dem Gesundheitswesen und unter Teilnahme von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (M.) wurde am Montag in Berlin die „Allianz für Gesundheitskompetenz“ gegründet.

© Schinkel/Bundesgesundheitsministerium

BERLIN. Das Wissen über Gesundheit, ärztliche Therapien und den Umgang mit Medikamenten ist in Deutschland erheblich eingeschränkt. Eine aktuelle Untersuchung der Universität Bielefeld zeigt, dass mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland (54,3 Prozent) sich vor erhebliche Schwierigkeiten gestellt sieht, wenn es darum geht, mit gesundheitsrelevanten Informationen umzugehen. Vor allem Einwanderer (71 Prozent), arme Menschen (78 Prozent), Menschen mit niedrigem Bildungsniveau (62 Prozent), chronisch erkrankte Menschen (73 Prozent) und hochbetagte Menschen (66 Prozent) kommen demnach mit den Informationen der Ärzte und Apotheker nicht klar.

Diesen Missstand will Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) nun direkt angehen. Dafür hat er die üblichen Akteure der Gesundheitspolitik und der Selbstverwaltung in einer "Allianz für Gesundheitskompetenz" dazu gebracht, sich freiwillig dazu verpflichten, in ihren Zuständigkeitsgebieten an der Verbesserung des Gesundheitswissens zu arbeiten. Die Allianz hat sich am Montag im Gesundheitsministerium in Berlin offiziell konstituiert.

Drei Punkte will die Allianz angehen:

» Gesundheitsbildung stärken: Von der frühkindlichen Erziehung über Gesundheitsunterricht in den Schulen bis hin zu Möglichkeiten der Gesundheitsbildung in Betrieben soll die Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung entwickelt werden.

» Informationen zur Gesundheit und zum Gesundheitswesen sollen nach dem Stand des anerkannten Wissens verständlich aufbereitet werden, auch digital. Das Gesundheitsministerium hat das Institut für Wirtschaftlichkeit und Qualität im Gesundheitswesen (IQWiG) damit beauftragt, eine Machbarkeitsstudie für ein Nationales Gesundheitsportal zu erstellen.

» Ärzte, Medizinische Fachangestellte und Pflegefachkräfte sollen besser als bisher darin geschult werden, mit Patienten so zu sprechen, dass die die medizinischen Informationen auch verstehen können.

Unzureichende Gesundheitskompetenz kommt die Gesellschaften teuer zu stehen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass dadurch zwischen drei und fünf Prozent der nationalen Gesundheitsbudgets ohne Effekt verpuffen. Für Deutschland würde diese Rechnung einen Verlust von zwischen neun und 15 Milliarden Euro bedeuten. Hier gegenzusteuern bedeute "ein Riesenbrett zu bohren", sagte Gröhe am Montag in Berlin.

In ihrer jährlichen Versichertenbefragung wolle die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) das Thema aufgreifen und nach Problemen in der Arzt-Patienten-Kommunikation fragen, kündigte KBV-Vize Dr. Stephan Hofmeister an. Zudem wolle die KBV den Umgang von Ärzten mit dem Thema stärken.

Der Ansatz sei richtig, Gesundheit zu einem Bestandteil der Lehrpläne in Kitas, Schulen und Weiterbildungsstätten zu machen, sagte Bundesärztekammerpräsident Professor Frank Ulrich Montgomery. Die Kultusminister der Länder seien nun gefordert, mit der Gesundheitspolitik und den Akteuren des Systems an einem Strang zu ziehen.

Diese Organisationen machen mit

Die Gründungsmitglieder der Allianz für Gesundheitskompetenz sind: Bundesgesundheitsministerium, Gesundheitsministerkonferenz der Länder, der Patientenbeauftragte der Regierung, BÄK, BZÄK, KBV, KZBV, DKG, GBA, GKV-Spitzenverband, PKV-Verband, Deutscher Pflegerat, BAG Selbsthilfe, ABDA und die Verbraucherzentrale Bundesverband.

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