Ärzte Zeitung online, 23.06.2017

PKV

Klare Absage an die Bürgerversicherung

Auf ihrer Jahrestagung plädieren die privaten Krankenversicherer für die Beibehaltung des dualen Systems.

Von Ilse Schlingensiepen

BERLIN. Grundlegende Einschnitte am System der Gesundheitsversorgung in Deutschland würden das hohe Versorgungsniveau gefährden, ein radikaler Schnitt wie die Einführung einer Bürgerversicherung macht deshalb keinen Sinn. Darin waren sich die Redner auf der Jahrestagung der privaten Krankenversicherer (PKV) am Donnerstag in Berlin einig. Zur Unterstützung ihrer Position hatte die PKV prominente Vertreter der Ärzteschaft, der Beamtenschaft und der Arbeitgeber eingeladen.

"Eine Radikalreform zu Lasten des dualen Systems wäre wie eine Operation am offenen Herzen eines gesunden Patienten", sagte der Vorsitzende des PKV-Verbands Uwe Laue. Für ihn ist unerheblich, ob der Umstieg auf die Bürgerversicherung auf einen Schlag oder in kleinen Schritten erfolgen würde. "Auch viele kleine Amputationen an einem gesunden Patienten wären eine katastrophal schlechte Medizin", warnte Laue.

Er sieht ein Einheitssystem wie die Bürgerversicherung als Ausdruck einer rückwärtsgewandten Politik, die nur Verlierer erzeugen würde. Er nannte die Risiken aus Sicht der PKV: eine schlechtere Gesundheitsversorgung, das berufliche Aus für Tausende niedergelassene Ärzte, Zahnärzte, Physiotherapeuten und Hebammen, den erschwerten Zugang zu Innovationen, die Zunahme von Rationierung bei teuren Therapien, längere Wartezeiten und höhere Beitragssätze für alle.

Die von den Anhängern der Bürgerversicherung propagierte Ungerechtigkeit im Gesundheitswesen gibt es nach Einschätzung des Präsidenten der Bundesärztekammer Professor Frank Ulrich Montgomery nicht. "Wir als Ärzte sind stolz darauf, dass es bei der medizinischen Behandlung keine messbaren Unterschiede zwischen privat und gesetzlich Versicherten gibt", sagte er. Unterschiede gebe es höchstens beim Service. Wer versuche, im Krankenversicherungssystem Gerechtigkeitslücken zu suchen, verschließe die Augen vor der Wirklichkeit. "Er verwechselt Gleichheit auf niedrigerem Niveau mit Gerechtigkeit", so Montgomery.

"Die Bürgerversicherung wäre ein brutaler Angriff auf das leistungsfähigere System der PKV", kritisierte Steffen Kampeter, der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. "Ein milliardenschwerer Markt wie das Gesundheitswesen braucht Wettbewerb", betonte der Bundesvorsitzende von "beamtenbund und tarifunion" Klaus Dauderstädt.

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