Ärzte Zeitung online, 05.09.2017
 

Für Familien

51 Millionen Euro für Ausbau Früher Hilfen

Frühe Hilfen unterstützen bei einem problemlosen Start ins Leben. Bei einem Ministerinnenbesuch berichtet eine Hebamme aus der Praxis.

Von Petra Zieler

HALLE. 51 Millionen Euro will die Bundesregierung jährlich für den Ausbau der Netzwerke Frühe Hilfen zur Verfügung stellen. Die entsprechende Verwaltungsvereinbarung zur Bundesstiftung Frühe Hilfen hat Bundesfamilienministerin Dr. Katarina Barley (SPD) nun nach einem gemeinsamen Besuch des Kreißsaals im Universitätsklinikum Halle mit Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) unterzeichnet. Ziel sei es, Vernetzung auf- und auszubauen, damit die Entwicklung von Kindern aus Familien in schwierigen Lebenssituationen von Anfang an besser gefördert werden kann. Zu ihnen gehört auch das Ehepaar Dworak, das die Ministerinnen während ihres Besuchs getroffen haben. Am 19. August hat Anja Dworak ihr achtes Kind, Sohn Paul Silvio Kurt Werner, in der Uniklinik zur Welt gebracht. Dessen Schwester Anna Lieselotte Elisabeth ist eineinhalb Jahre, die älteste mit 18 Jahren gerade auf dem Weg in die Selbstständigkeit. "Familien wie die Dworaks brauchen unsere Hilfe", ist Katja Schumann überzeugt. Sie ist seit 2008 neben ihrem Job als Hebamme zugleich Familienhebamme. "Wir versuchen möglichst alle Familien aufzufangen, in denen es Probleme gibt oder sich in irgendeiner Form Probleme anbahnen."

Dabei kann Katja Schumann auf ein ganzes Team aus professionellen "Brückenbauern" – Ärzten, Hebammen, Psychologen, Geburtskliniken, Kinder- und Jugendhilfe – bauen. "Meistens", sagt die Hebamme, die zeitgleich zwischen sieben bis 14 Familien betreut, "bekommen wir von offizieller Seite Hinweise, wo wir gebraucht werden. Es gibt aber auch Ehepaare, die sich direkt an uns wenden." Aus ihrer Erfahrung weiß sie aber, dass die Zeit bis zum ersten Lebensjahr viel zu kurz ist, um Entwicklungsrisiken auszuschließen, zumindest aber zu begrenzen. "Wenn es notwendig ist, können wir jetzt bis zum dritten Lebensjahr mit den Familien arbeiten. Das ist toll. Aber dafür brauchen wir auch mehr Leute." Die Uniklinik Halle bietet deshalb auch Kinderkrankenschwestern die Möglichkeit, sich zu qualifizieren.

Das Nationale Zentrum Frühe Hilfen ist Koordinierungsstelle des Bundes. Es wird gemeinsam von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und dem Deutschen Jugendinstitut e.V. getragen. Ziel ist, familiäre Belastungen früher zu erkennen, bedarfsgerechte Unterstützungsangebote bereitzustellen und die Vernetzung der unterschiedlichen Berufsgruppen zu fördern.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Es kommt Schwung in die Entwicklung neuer Psychopharmaka

Bald könnte es einen Schub für die Entwicklung neuer Psychopharmaka geben. Denn Forscher finden immer mehr über die Entstehung psychischer Erkrankungen heraus. mehr »

Spielt Krebs eine Rolle beim plötzlichen Kindstod?

Ein plötzlicher Kindstod bei einer unbekannten neoplastischen Erkrankung ist selten, aber kommt vor. Das ist das Ergebnis einer britischen Studie. mehr »

Patienten sollen Verdacht auf Nebenwirkung melden

Alle europäischen Arzneimittelbehörden fordern in einer gemeinsamen Kampagne Patienten auf, ihnen verstärkt Verdachtsfälle von Nebenwirkungen zu melden. mehr »