Ärzte Zeitung online, 13.09.2017
 

Brandenburg

Weniger Raucher, doch kein schlechtes Gewissen

Jugendliche in Brandenburg rauchen und trinken weniger als vor zwölf Jahren. Das zeigt eine landesweite Befragung von Zehntklässlern. Doch es gibt auch Schattenseiten.

Von Julia Frisch

Schüler rauchen ohne schlechtes Gewissen

Mädchen in Brandenburg fangen später mit dem Rauchen an als noch vor zwölf Jahren.

© Joshua Resnick/Fotolia

POTSDAM. Die Kippe im Mund ist bei 16-Jährigen offenbar nicht mehr so cool. Während 2005 noch 41 Prozent der Mädchen und 37 Prozent der Jungen, die eine zehnte Klasse besuchten, angaben, regelmäßig zu rauchen, ist der Anteil der Tabakkonsumenten 2017 auf 17 Prozent bei den Schülerinnen und auf 18 Prozent bei den Schülern gesunken.

Erfreulich ist auch, dass Jugendliche später als vor zwölf Jahren mit dem Rauchen beginnen: Bei den Mädchen stieg das mittlere Alter immerhin von 12,9 Jahre auf 13,8 Jahre. Jungs zünden sich im Schnitt mit 13,6 Jahren zum ersten Mal eine Zigarette an.

Brandenburgs Gesundheitsstaatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt betonte bei der Vorstellung der Ergebnisse der vierten Schüler-Befragung, dass es weiterhin notwendig sei, auf Prävention von Tabak- und Alkoholkonsum zu setzen. "Wer früh regelmäßig psychoaktive Substanzen konsumiert, läuft Gefahr, diesen Konsum Jahrzehnte lang fortzusetzen."

Auswirkung auf Tod und Krankheit

20% der rauchenden Mädchen in Brandenburg möchten von der Zigarette loskommen.

Umgekehrt gelte, dass ein Verzicht oder wenigstens ein Aufschieben regelmäßigen Konsums in der Jugend zu einer viel günstigeren Prognose führt. "Das heißt konkret, wenn Jugendliche nur halb so viel Tabak rauchen wie zwölf Jahre zuvor, werden Tausende vorzeitige Todesfälle und Tausende langwieriger chronischer Krankheiten vermieden."

Die Befragung fand im Mai statt. Rund 11.000 Schüler aus der zehnten Klasse beteiligten sich landesweit daran.

Allerdings sind die Ergebnisse nicht durchweg positiv: Die Schüler, die rauchen, quälen sich offenbar nicht groß mit einem schlechten Gewissen. Im Gegenteil: Der Wunsch, mit der Qualmerei aufzuhören, ist nach den Ergebnissen der Befragung weniger groß als 2005. Nur 20 Prozent der Mädchen streben eine Verhaltensänderung an. Vor zwölf Jahren trugen sich noch 26 Prozent der Raucherinnen mit dem Gedanken.

Ähnlich bei den Jungen: Lediglich 15 Prozent der befragten männlichen Jugendlichen hegen den Wunsch, das Rauchen einzustellen, 2005 waren es 21 Prozent. Bei den Schülerinnen erklären sich die Autoren der Umfrage diese Unbekümmertheit damit, dass der Tabakkonsum vielleicht auch "als Mittel der Gewichtskontrolle verwendet wird".

Bei Alkohol vernünftiger

Dafür sind die Schülerinnen nach den Ergebnissen der Umfrage vernünftiger, wenn es um Bier, Wein und Co. geht. Neun Prozent der Zehntklässlerinnen gaben an, regelmäßig Alkohol zu trinken (2005: 18 Prozent). Bei den Jungen liegt der Anteil bei immer noch 15 Prozent, im Vergleich zu 2005 bedeutet dies aber immerhin einen Rückgang um fast 20 Prozentpunkte.

Zurückgegangen ist in den vergangenen zwölf Jahren auch der Anteil der 16-Jährigen, die sich mindestens an drei Tagen im Monat betrinken. 2005 gaben 38 Prozent der befragten Schüler an, "Rauschtrinken" zu betreiben, in diesem Jahr waren es 21 Prozent.

Beim Cannabis-Konsum zeigt die Erhebung einen leichten Anstieg "auf niedrigem Niveau". Drei Prozent der Mädchen und 5,6 Prozent der Jungen rauchen regelmäßig Gras. Crystal Meth, Ecstasy oder Kokain spielen den Angaben zufolge keine Rolle.

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