Ärzte Zeitung online, 18.09.2017

Umfrage zur Gesundheitspolitik

Welche Reformen sind dringend notwendig?

Bürgerversicherung, Regressrisiko, GOÄ: Unsere Leser haben abgestimmt, welche Themen in der Gesundheitspolitik die nächste Bundesregierung unbedingt anpacken sollte.

BERLIN. Welche Erwartungen haben Ärzte an die Gesundheitspolitik in der nächsten Legislaturperiode? Bei der Umfrage der Ärztezeitung unter rund 1500 Lesern offenbarten sich Überraschungen, aber auch einige sehr klare Ansagen.

Welche Reformen sind dringend notwendig?

Ein differenziertes Bild ergibt sich bei der Einstellung zur Bürgerversicherung: Immerhin 23 Prozent der Hausärzte und 30 Prozent der Fachärzte befürworten sie (34 Prozent aller Teilnehmer). Andererseits halten 46 Prozent der Ärzte, die an der Umfrage teilgenommen haben, diesen Wechsel für gefährlich, weitere 20 Prozent halten ihn für nicht nötig.

Noch ausgeprägter ist der Wunsch nach einer einheitlichen ärztlichen Gebührenordnung: Dafür plädieren 50 Prozent aller Teilnehmer, 17 Prozent halten das für gefährlich, 21 Prozent für nicht notwendig. Dringender wäre aber eine GOÄ-Reform: 53 Prozent der Umfrageteilnehmer sehen eine Reform der GOÄ als überfällig an.

Ein Dauerthema bleibt das Regressrisiko in der Arznei-und Heilmittelversorgung. Obwohl nur noch in wenigen Fällen tatsächlich Regresse mit hohen Summen exekutiert werden, ist der psychologische Bedrohungseffekt real: 63 Prozent aller Leser – und bei den Hausärzten liegt der Anteil sogar bei 80 Prozent – halten eine Abschaffung für notwendig .

Ein wichtiges Signal ist auch das Bekenntnis zu einer konsequenten Förderung der Telemedizin und der digitalen Infrastruktur: Gut die Hälfte sieht das als notwendig an, und zwar unabhängig vom Alter. Nur gut ein Fünftel sagt, das brauche man nicht. Zu beachten ist aber, dass 14 Prozent die Förderung der Digitalisierung der Medizin für gefährlich halten.

Und schlussendlich eine klare Ansage in zwei Punkten: Notwendig ist eine weitere Aufstockung der Weiterbildungsförderung, und zwar auch für Fachärzte, glaubt fast eine Zwei-Drittel-Mehrheit. 72 Prozent der Umfrageteilnehmer fordern eine konsequente Präventions- und Diabetes-Strategie. Damit sind für die nächste Legislaturperiode wichtige Handlungsfelder benannt. Aber ein grundsätzliches Problem tritt hinzu: Die Noten für die Wirksamkeit von Gesetzen fallen schlecht aus – und das untergräbt die Glaubwürdigkeit des Gesetzgebers. Genau dies ist der Humus, auf dem alternative Parteien gedeihen.

(hl/ger)

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