Ärzte Zeitung online, 16.11.2017
 

Innovative Projekte

So will man im Norden die Versorgung bei Schlaganfall verbessern

Die Patientenorganisation Schlaganfallring Schleswig-Holstein hat in den vergangenen Jahren landesweit wegweisende Versorgungsprojekte entwickelt, die inzwischen auch in der Hansestadt Hamburg auf großes Interesse stoßen.

Von Dirk Schnack

So will man im Norden die Versorgung bei Schlaganfall verbessern

Herausforderung Schlaganfall: Im Norden werden neue Versorgungsstrukturen entwickelt.

© Photosani / Fotolia

HAMBURG. Austausch und Zusammenarbeit in der Schlaganfallversorgung in Schleswig-Holstein haben sich in den vergangenen Jahren verbessert – nun könnte auch Hamburg von den Erfahrungen der Nachbarn im Norden profitieren. Maßgeblich zu den Fortschritten hat die Patientenorganisation Schlaganfallring Schleswig-Holstein beigetragen. Entstanden aus einer Open Space Veranstaltung vor vier Jahren in Kiel, setzt der Verein unter Führung von Betroffenen und Angehörigen inzwischen landesweit konkrete Projekte um. Dabei sucht sich der Verein je nach Projekt Partner – dies können das Land, Stiftungen, Krankenkassen, Industrie oder Leistungserbringer sein.

"Wir helfen gerne"

Auf einer Veranstaltung in Hamburg hat der Vorsitzende des Schlaganfallrings, Jürgen Langemeyer, nun Unterstützung für die Hansestadt signalisiert. "Wir helfen gerne", sagte Langemeyer auf einer Open Space Ideenfabrik in Hamburg, zu der Ärzte, Betroffene, Angehörige, Therapeuten, Kassen- und Behördenvertreter gekommen waren.

Aus der Veranstaltung heraus bildete sich bereits ein konkretes Projekt, das Fortschritte für den Reha-Sport für Hamburger Schlaganfallpatienten erreichen will und selbst ein Angebot schafft.

Die Gruppe unter Leitung von Sport-Therapeutinnen sucht derzeit nach geeigneten Räumen in der Hansestadt, in denen eine Teilnahme möglichst ohne Vereinsmitgliedschaft ermöglicht wird.

Fortschritte erhoffen sich die Betroffenen in Hamburg auch beim Verordnungsmanagement. Um die Zusammenarbeit aller an der Versorgung Beteiligten zu verbessern, schweben ihnen unter anderem Blankoverordnungen und interdisziplinäre Sprechstunden vor. Aus Sicht der Therapeuten ist die Vergütung des Engagements und von koordinierenden Leistungen bislang allerdings ein großes Problem.

Handlungsbedarf sehen die verschiedenen Beteiligten in Hamburg auch in der Stärkung von Angehörigen, in der sektorenübergreifenden Kommunikation, bei den Behandlungsangeboten für Aphasiker, in der Stärkung der Gesundheitskompetenz und bei der Definition von Behandlungsqualität in der Schlaganfallversorgung.

Langemeyer machte in Hamburg deutlich, dass Fortschritte in diesen Fragen durchaus möglich sind – wenn aus dem Kreis der Ideengeber Projekte vorangetrieben werden. Der Verein hat zum Beispiel erreicht, dass im Norden Schlaganfall-Mentoren und Schlaganfall-Helfer ausgebildet werden. Sie stehen den betroffenen Familien anschließend beratend zur Seite. Mentoren sind ehrenamtliche Helfer, die selbst als Patienten oder Angehörige Erfahrungen gesammelt haben. Schlaganfall-Helfer dagegen haben einen hauptamtlichen Hintergrund etwa als MFA oder aus Therapiepraxen, die mit ihrer Zusatzausbildung Betroffene besser unterstützen können. Ihre Ausbildung ist für die Teilnehmer kostenlos und findet in der Ärztekammer Schleswig-Holstein statt.

Nichts geht ohne langen Atem

Herme Rijnberk, der die Open Space Veranstaltung in Hamburg für das Unternehmen Pfizer organisiert hat, hofft auf vergleichbaren Erfolg in der Hansestadt. Allerdings ist dafür langer Atem erforderlich: In Schleswig-Holstein konnte die Finanzierung für viele Projekte erst nach einigen Jahren erreicht werden.

Ebenso wichtig ist das persönliche Engagement aus dem Kreis von Betroffenen und Angehörigen, aber auch die Mitwirkung von versorgenden Berufen. Jährliche Treffen in Kiel zeigen inzwischen, dass sich ein landesweiteres Netzwerk gebildet hat und sich der Austausch verfestigt.

Herausforderungen in Hamburg

- Reha-Sportangebote sollen flächendeckend aufgebaut werden

- Behandlungsqualität in der Schlaganfallversorgung ist nur unzureichend definiert

- Angehörigevon Patienten sollen besser in Versorgungsabläufe integriert werden

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