Ärzte Zeitung online, 29.11.2017
 

Umfrage

Nur wenig Vorbehalte gegen Aids-Patienten

84 Prozent der Bevölkerung würden sich in Praxen behandeln lassen, die auch Aids-Patienten versorgen.

KÖLN. Die weit überwiegende Mehrheit der Deutschen hat kein Problem damit, in eine Arztpraxis zu gehen, in der auch Menschen mit HIV/Aids behandelt werden. Auch gegen die Zusammenarbeit mit HIV-Positiven oder ein gemeinsames Fußballspiel hat kaum jemand Bedenken. Das zeigt eine repräsentative Bevölkerungsbefragung im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) aus Anlass des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember. Die Marktforscher von GMS Dr. Jung hatten im August dieses Jahres 1012 Deutschsprachige ab 16 Jahren telefonisch befragt.

Dabei hatten 84 Prozent angegeben, dass sie sich ganz sicher oder vielleicht in derselben Praxis wie HIV-Positive versorgen lassen würden. Ähnlich viele sehen im Umarmen oder Händeschütteln kein Problem. 33 Prozent hätten Bedenken, dasselbe Geschirr wie ein HIV-Positiver zu benutzen. 49 Prozent fänden es besorgniserregend, von einem Betroffenen angehustet zu werden, 42 Prozent würden ihn nicht küssen. 75 Prozent schließen es aus, mit HIV-Positiven Sex mit Kondom zu haben.

Die Befragung zeigt laut der Auswertung der BZgA, dass die Übertragungswerte von HIV in der Allgemeinbevölkerung bekannt sind, das Wissen über die aktuellen Behandlungsmöglichkeiten aber teilweise noch unvollständig ist. So weiß nur jeder Zehnte, dass eine antiretrovirale Behandlung einen wirksamen Schutz von einer Übertragung darstellt. 81 Prozent gehen davon aus, dass Menschen, die sich heute infizieren, dank der Medikamente ein langes und weitgehend beschwerdefreies Leben führen können. Nur 43 Prozent stufen HIV aber als eine "behandelbare, chronische Krankheit ähnlich wie Diabetes" ein. 23 Prozent finden, dass Menschen mit HIV selbst schuld an ihrer Erkrankung sind.

Für BZgA-Leiterin Dr. Heidrun Thaiss zeigen die Ergebnisse, dass es immer noch Potentzal für Diskriminierung von HIV-Positiven im Alltag gibt und Aufklärung deshalb wichtig bleibt. (iss)

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