Ärzte Zeitung online, 19.01.2018

Kreative Angebote

Die Therapiekünste eines Kung-Fu-Großmeisters

Ein Kampfsportler stößt bei Medizinern mit seinem speziellen Gesundheitskonzept auf Interesse. Ein Arzt ist sogar geneigt, von einem Wunder nach der Therapie durch Chu Tan Cuong zu sprechen.

Von Petra Zieler

Die Therapiekünste
            eines Kung-Fu-Großmeisters

Überzeugt auch Ärzte: Kung-Fu-Großmeister Chu Tan Cuong.

© Petra Zieler

HALLE. 14 Guinness- und Weltrekorde oder Auftritte wie bei "Wetten dass…" haben Chu Tan Cuong weithin bekannt gemacht. Abseits der Schlagzeilen hilft er Menschen, gesund zu werden und bringt damit selbst Ärzte zum Staunen.

Er zieht eine Straßenbahn samt Insassen, Gesamtgewicht 19 Tonnen, nur mit der Kraft seiner Bauchmuskeln, schlägt Nägel mit der bloßen Hand ein, schiebt, mit Speerspitze unter dem Kehlkopf, einen 10,6 Tonnen schweren Eisenbahnwaggon.

Kung-Fu-Großmeister, Chu Tan Cuong lebt seit 1981 in Deutschland, hat in Halle Jura und in Weimar Musik studiert und nach der Wende seine Kampfkunst zum Beruf gemacht.

Im Laufe der Zeit entwickelte er zudem ein spezielles Gesundheitskonzept (Noi Cong Chu Tan), in dessen Mittelpunkt aktive Atemtechnik steht, die auf den Einklang von Körper und Geist abzielt.

Profitiert haben davon bereits Polizeiführungskräfte in Sachsen-Anhalt, Schüler und Lehrer, Schauspieler, aber auch Patienten verschiedener Gesundheitseinrichtungen, wie der Suchtklinik Kelbra oder der psychosomatischen Klinik (Gezeiten-Haus) in Wendgräben.

Durch Zufall kennengelernt

Auch Privatdozent Kai Wohlfarth, Direktor der Klinik für Neurologie am BG Klinikum Bergmannstrost Halle, zu der der Bereich Frührehabilitation gehört, möchte Chu Tan Cuongs Konzept in seine Therapieangebote einfließen lassen. Beide Männer haben sich durch einen Zufall kennengelernt.

Cuongs Stiefsohn war nach einem Autounfall im Sommer mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma (Einblutungen in beide Hirnhälften) ins Klinikum eingeliefert worden war. Statt der prognostizierten monatelangen Behandlung konnte der 20-Jährige, der 14 Tage im Koma lag, bereits nach neun Wochen entlassen werden. Ein Verdienst der Ärzte, Therapeuten, Pflegenden und Chu Tans. "Obwohl in der Medizin eigentlich tabu, bin ich fast geneigt, von einem Wunder zu sprechen", sagt der Klinikchef.

Er ergänzt: "Natürlich steckt mehr dahinter: Zum einen ist Leon Meiling ein sehr junger Patient, zum anderen wurde er innerhalb kürzester Zeit professionell medizinisch versorgt. Wie am Bergmannstrost üblich, begann seine Rehabilitation bereits in einer sehr frühen Phase. Chu Tan Cuong und ich sind uns einig: Alternative Angebote können Medizin und Frührehabilitation nicht ersetzen, wohl aber unterstützen."

Als Wohlfarth von seinem in der Schweiz arbeitenden Neurologen-Kollegen Professor Wieland Hermann gebeten wurde, Chu Tan in die Rehabilitation seines Stiefsohnes einzubeziehen, stimmte der sofort zu. "Ich hatte Professor Hermann nach Leons Unfall um Rat gebeten, weil ich ihn aus gemeinsamer Arbeit kenne. Als der mich bestärkte, wollte ich unbedingt helfen", sagt Chu Tan. Dreimal täglich übte und trainierte er fortan mit Leon Meiling.

Erst im Bett, dann im Rollstuhl, bald auf der Station und auch auf dem Klinikgelände. Unterdessen konnte Leon seine Ausbildung zum Pharmakanten fortsetzen. Klinikdirektor Wohlfarth ist begeisterter Schüler von Chu Tan.

Er hat sich mit dem Max-Planck-Institut in Leipzig – seit Jahren ein guter Partner – in Verbindung gesetzt. "Können die Wissenschaftler mit evidenzbasierten Aussagen den Nutzen für Patienten bestätigen, würde ich Kung Fu gern in die Therapie integrieren, idealerweise mit Unterstützung des Großmeisters."

Viele persönliche Erfahrungen

"Ein wissenschaftlicher Beleg wäre super", meint auch Chu Tan Cuong, der bislang vorwiegend auf persönliche Erfahrungen und Berichte seiner "Zöglinge" angewiesen ist, mittlerweile aber auf eine umfangreiche Videosammlung verweisen kann.

Der Großmeister bittet seine Schüler über ihre Erfahrungen zu berichten. Wie Jürgen Hindenburg aus Weißenfels. Seit 1997 ist der heute 65-Jährige herzkrank und leidet seit 2013 unter einer schweren Herzinsuffizienz. "Ich konnte überhaupt nicht mehr spazieren gehen, ganz zu schweigen von Treppensteigen und selbst ein kurzer Aufenthalt in kalter Luft bescherte mir sofort Atemnot."

Seit er das Noi-Cong-Chu-Tan-Konzept erlernt und mehrmals täglich anwendet, geht es ihm spürbar besser. Spaziergänge, Treppensteigen, leichter Sport – alles ist wieder möglich. "Und zwar ohne Herzspray."

Neben diesen spürbaren Fortschritten haben sich auch medizinische Werte des Herzpatienten deutlich verbessert. Das bescheinigen die Untersuchungsergebnisse im Herzzentrum Leipzig.

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